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Preworlds und WM 2012 La Rochelle - Bericht von Linda Rüger

Hier stellen wir die 505er Weltmeisterschaft in La Rochelle vor. Christian Kellner und Martin Schöler nehmen mit der Segelnummer 9090 teil. Interviews mit den Sportlern, Fashionguide und Erlebnisse sollen folgen.

Preworlds

17. Juli Erster Tag der Preworlds. Bei (viel zu) leichtem Wind starten mittags 192 Boote. Das Regattagebiet liegt in der Bucht vor La Rochelle hinter der Ile de Re. Tidenströmung im Gebiet. Christian segelt wie immer mit Martin Schöler aus Hamburg. Beide sind fit und voller Tatendrang. Jedoch der Wind hat nicht entfernt soviel Kraft vorwärts wie unsere beiden Helden und schwächelt bei 4 bis 5 Knoten aus West sehr vor sich hin. Gestern, Vermessung. Der Parkpatz vor dem Segelclub ist voll mit 505ern, über 190 Schiffe nehmen teil. Die Crews basteln wild, versuchen noch schnell alte Baustellen zu beseitigen oder verbessern bekannte Schwachstellen, feilen an den Trimminstrumenten. Ein wunderbares Chaos wenn man über den Platz schaut, Werkzeug, Epoxy und Zollstöcke werden verliehen, die Ausrüstung der Nachbarn wird verstohlen gemustert (oder belächelt). Doch wer am Ende die bessere Idee für den Trimm, die beste Improvisation bei Reparaturen hatte, ob das beste Material wirklich zum besten Ergebnis beirägt oder ob man sich zwischen den ganzen bunten Schnüren irgendwann einfach nicht mehr auskennt, all das wird sich erst beim Rennen zeigen. Heute ist es soweit. Bei schwachem Wind mit aufbrisender Thermik gings weiter. Am Ende sind Kellner / Schöler dritter der Preworlds! Gratulation! Ergebnisse auf http://www.sap505worlds.com/2012/news/race-results/

Weltmeisterschaft 21. Juli Erster Tag

Alle sind aufgeregt, die letzten Reparaturen werden versucht, die letzten Werkzeuge getauscht, Aufregung macht sich breit. Der Wind bleibt aus. Dann: vier Stunden Startverschiebung.

Fashion und Accessoires

Unter dieser Rubrik werden aktuelle Berichte zu modischen Aspekten der WM und zu bemerkenswerten Unwichtigkeiten folgen. 17. Juli, Start der Preworlds. Ebbe Rosen und Olle Wenrup, das Team aus Schweden mit der Segelnummer 8926 gewinnt heute den Fashionpreis des Tages für das bestbekleidete Team. Ebbe und Olle sind echte Helden, die seit Jahrzehnten an WMs teilnehmen und auch den ersehnten Titel schon holen konnten. Sie behaupten selbstbewusst, sie segelten nur noch WMs und keine anderen Regatten. Wir bringen ihnen also den größten Respekt entgegen. Ihr Outfit am ersten Tag der Preworlds ist für Helden angemessen: Olle trägt eine legere gestreifte kurze Hose, eine lockere Version zwischen Boxershort und Badehose, dazu ein ausgewaschenes T-Shirt in grün oder braun, ein Baseballcap in ähnlichen Farben. Er zeigt damit: Neoprenanzüge, gepolsterte Knie, Schuhe oder Schwimmweste habe ich n icht mehr nötig. Während sich andere in mehrere Lagen künstlicher Fasern und Schäume zwängen, die nur zu Hautirritationen und Hitzestau führen, bewegt sich Olle frei und ohne Juckreiz. Als Schwede ist alles über 10 Grad Wasser- oder Lufttemperatur sowieso warm für ihn. Der Wind streift seinen Körper ungehindert. Sein Teamkollege Ebbe hat sich zur Preworlds in Frankreich in einen eleganten geringelten Longjohn aus Baumwolle gehüllt, über dem er bis zu den Knien und den Ellbogen einen Neoprenshortie trägt, dazu eine im Stil der Musclecars gepolsterte Hose. Mit den mutigen Streifen und der an Star Wars erinnernden Hose zeigt auch er Mut und Selbstbewusstsein in seinem Stil. Übrigens scheint auch er sorgfältig den direkten Kontakt seiner Haut zu Neopren zu vermeiden. Andere denken bei ihrer Ausrüstung an Funktion und Gewicht, Ebbe und Olle haben uns gezeigt, Fashion ist wichtig im Segelsport! Deshalb bekommen beide heute den Fashionpreis, Gratulation Ebbe und Olle. (Foto folgt hoffentlich)

Apothekenrundschau

Eine Weltmeisterschaft wird nicht nur durch Material und seglerisches Können entschieden, nein, auch der Körper zählt. Und manchmal sind es gerade die kleinen Schwächen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Was tun bei Quallenangriff, Schürfwunden, Windelausschlag am Hintern oder Kater vom vielen Rum? Hier findet ihr die entscheidenden Tipps und Tricks gegen die kleinen und großen  Maleurs von unserer Pharmazeutin. 22. Juli: Die Pharmazeutin weist dringend darauf hin, dass der Genuß von zuviel Rotwein die sportliche Performance stark einschränkt!  23. Juli: Quallenschäden: Wir wissen noch nicht, um welche Art der Qualle es sich handelt. Unser Biologe vermutet, dass es sich um eine Art der Medusa gigantica handelt, die besonders in der Nähe von Atomkraftwerken auftreten. Direkter Hautkontakt sollte unbedingt vermieden werden. Einen Geigerzähler an Bord zu haben kann möglicherweise helfen,, die Qualle zu lokalisieren.

Dr. Sommer Team

Der Vorschoter zickt mal wieder? Warum ist mein Steuermann immer so cholerisch? Heult Euch aus! Das Dr. Sommer Team steht Euch mit psychologischem Rat zur Seite. Zusendungen bitte an info@segelsport-kellner.de Wir bitten um Entschuldigung, falls wir bei sehr großem Andrang nur ausgewählte Beiträge veröffentlichen können, das Team möchte sich um die Beratung ausführlich bemühen.

Interview mit Christian Kellner vor dem Start der WM

Interviewer: Heute ist der erste Tag der WM. Wie habt ihr euch auf so ein wichtiges Event vorbereitet? Christian Kellner: Ähh. (Pause) Also wir haben intensiv an unseren Segeln entwickelt. Interviewer: Und wie siehts mit physischem Training aus? Also aktiv? C.K.:Also aktiv, eh. Ich hab mir Yoga vorführen lassen. Ne im Ernst: volles Fitnesstraining im Wohnzimmer. Klimmzüge nach dem Aufstehen. Leider kommen Martin und ich außerhalb der Regatten nicht zum Trainieren auf dem Boot.Interviewer: Eure Boote sind Hightech, kennt ihr euch überhaupt noch mit den ganzen schnüren aus? Sag mal, und was ist das gelbe da für eins? C.K.:Wir machen Segeln nach Farben. Scholle sagt zieh gelb! ich zieh gelb. Interviewer: Auf was achtet ihr bei eurer Garderobe? C.K.: Wir achten auf alte und erprobte Kleidung. Interviewer: Es soll angeblich riesige eklige Quallen im Regattagebiet geben, die im Durchmesser die Länge eines Männerarmes weit übertreffen. Habt ihr sie schon gesehen? C.K.: Ja die Quallen gibt es, sie sind riesig, schleimig und rot, haben große Fangarme. Interviewer: Was macht ihr, wenn die Qualle kommt? C.K.: Zuerst dachten wir, wir wären aufgelaufen. Aber mit unserem verstärkten Schwertbolzen kein Problem. Wir entschuldigen die Form des Texts, leider kämpft die Autorin mit vielen technischen Problemen.

24. Juli 2012 Layday! Rückblick auf die ersten drei Regattatage

Es ist Sonne in La Rochelle, heiß, kaum Wind. Gut dass heute kein Segeltag ist. Die ersten Wettfahrten liefen glänzend für unsere Helden, die beiden haben sich fantastisch geschlagen! Unglaublich: Plätze 2,2,2,7,35 (gestrichen) beweisen das. Das Team Kellner/Schöler führt insgesamt weiter an Platz eins mit 13 Punkten. Sie sind damit Anwärter auf den Titel. Aber wir alle wissen, was da noch passieren kann (Quallenangriff, Alkohol- oder Seeigelvergiftung, Formfehler, Bruch...). Unsere Helden müssen ihren Vorsprung noch zwei Tage gegen harte Konkurrenz verteidigen. Dennoch: sie sind spitzen Segler, sie sind schnell, schlau und vor allem: sie wären die sympatischsten aller Weltmeister! Deshalb: drückt alle die Daumen für viel Wind morgen und dafür, dass beide fit und cool bleiben.

Fashionpreis 25. Juli 5. Tag der WM

Den Fashionpreis von heute gewinnt das Team von Mertens/Dörr! Alex trägt zum ausgewaschenen roten Ölzeug ein Tau um die Hüften als Gürtel, dazu verlassen sich beide auf die ausgeleierten Schwimmwesten von Marinepool aus den 90er Jahren, die seitlich etwas abstehen und damit für noch mehr Winndschnittichkeit sorgen. Alex zeigt dazu eine wohlcoiffierte Locke grauen Haars, mit viel Feingefühl gestylt. Das Team macht dabei einen äußerst entspannten Eindruck, ähnlich zwei Piraten, die nach dem Entern auf dem Vordeck des besiegten Schiffes liegen. Dass es dabei heute nicht ganz so glücklich für sie lief stört diesen Eindruck keineswegs.

26. Juli Tag 6. Tag der WM

Gestern sehr wenig Wind, höllische Hitze, Strömung und fiese Winddreher. Unsere Helden konnten mit Plätzen 2,2,2,7,14, (35) dennoch die leading position halten. Jedoch jetzt nur noch wenige Punkte Abstand zum Verfolger Saugmann/Görge. Die Stimmung ist aber weiter gut. Heute morgen beginnen unsere Helden den Tag mit ausgiebigem Streching. Noch nie gesehen, echte Männer beim Streching, bisher so verpönt wie einen weiteren Flaschenzug in die Großschot einbauen oder Sonnencreme auftragen. Auf einmal sind alle diese weichen Tugenden gefragt, Massage, Streching, Eincremen. Die unglaublich starken Muskeln unserer Helden geschmeidig zu halten ist gar nicht so einfach. Das Rennen heute wird extrem spannend werden, im Moment morgens noch kein Wind, Verschiebung wird erwartet. Wir hoffen inständig auf genug Thermik am Nachmittag. Nach der neuesten Vorhersage unseres Meteorologen Chrissie kommt erst am Samstag wieder richtig Wind, dann wenn alles vorbei sein wird, dann, wenn wir mit Frau Pfeffer weiter wollen. So ein Pech. Aber nicht ärgern, noch sind alle Chancen offen, unsere Helden sind in Bestform, die Muskeln stark und biegsam, der Geist kühl und klar. Sie Freuen sich auf den Wettkampf.

Special Fashion Award 26. Juli 6. Tag der WM

Den Special Fashion Award gewinnt das Team Purzel. Für das Boot allein schon könnte man den Preis vergeben. Das letzte Schiff mit Holzdeck, auch beim Ausbau ist der Besitzer dem alten Stil sehr treu geblieben. Doch nicht nur das Schiff, auch die Crew verdient den Award. Purzels Vorschoter trägt unter der Mütze ein ausgeblichenes Leintuch, das er sich im Kara-Ben-Nemsi-Stil um Ohren und Hals legt. Wahrscheinlich soll das Tuch dafür sorgen, der Sonneneinstrahlung länger widerstehen zu können, vielleicht trägt er es aber auch, um die Stimme seines Steuermanns abzudämpfen, bevor diese auf seine Ohren trifft. Oder das Tuch schränkt die Wahrnehmung geschickt ein und verhindert sanft, die aktuelle Position im Feld zu erfassen. Zu dem mit Liebe zum Detail drapierten Tuch passt seine beinahe akademische Brille mit runden Gläsern. Beides lässt ihn aussehen wie Schliemann in der syrischen Wüste auf der Suche nach neuen Pharaonengräbern.

26. Juli Kellner/Schöler nach 8 Wettfahrten weiter Vorne!

Christian Kellner/Martin Schöler führen die WM weiterhin an und konnten mit den Plätzen 3 und 8 ihre Position sogar weiter stärken! Es ist unglaublich heiß hier, wenig Wind und dennoch sind unsere beiden Helden phänomenal gut gesegelt! Haltet bitte weiter die Daumen. Auf http://www.sap505worlds.com/2012/ findet ihr Videos und live Info. Im ersten Rennen war es furchtbar spannend, kaum auszuhalten. Dann segeln die beiden einfach einen dritten Platz ein, bravo!

Dr. Sommer Team 27. Juli

Ganz gegen unsere Erwartungen erhält das Dr. Sommer Team bisher fast keine Zuschriften. Wir wissen jedoch aus sicheren Quellen, daß es durchaus dramatische Spannungen und Konflikte innerhalb der Segelteams gibt. Dr. Sommer versteht gut, daß es zunächst Überwindung kostet, sich an jemand Fremden zu wenden, weshalb sich wohl so wenige bei ihren Problemen helfen lassen. Wir denken, daß die Dunkelziffer der Problemfälle weiter hoch ist und möchten hier nochmals unsere Hilfe und Moderation anbieten.

27. Juli Finale 9. Wettfahrt

Ich fahre mit Pip Pearson auf dem Motorboot raus. Sehr wenig Wind aus wechselnder Richtung und kleine spitze Welle bei ablaufendem Wasser und Wellen von West nach nächtlichem Wind. Unsere Helden starten glänzend nahe den beiden Rivalen, sind erst sehr weit vorn dabei, Bojsen-Möller, einer der wichtigsten Gegner wird zur Wende nach rechts gezwungen, die sich als sehr vorteilhaft für ihn herausstellt. Unsere Helden bleiben weiter links und verlieren ihr Glück und kommen nur auf Platz 29 zur Luvtonne. Ein überfahrener Spinnaker komplettiert das Pech, sie rutschen weiter nach hinten in die 50er. Schließlich geben unsere Helden entnervt auf! Es war schrecklich, alles mitansehen zu müssen und Pip musste mich trösten. Insgesamt werden sie dritte, Saugmann/Görge gewinnen, Bojsen-Möller werden punktgleich vor Kellner/Schöler zweite bei einem Tagessieg. Es ist zum heulen. Dennoch: unsere Helden sind dritte der WM, so gut wie noch nie, sie konnten bis zum Schluß alle in den Schatten stellen, und das bei Bedingungen, die nicht die ihren waren. Wir freuen uns auf die nächsten Rennen bei mehr Wind! (einen Tag später, Samstag, weht es hier mit 5-6 Bft, Kelly schaut betrübt aufs Meer. Glücklicherweise gabs zum dritten Platz eine 3 Liter Flasche Rotwein, um den Schmerz zu betäuben.)

Weiter gehts mit der Segelreise unter Berichte&Fotos!

 

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