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Überführung Wilhelmshafen Sardinien 2012 - Bericht von Linda Rüger

Ins Mittelmeer - Hooksiel nach Alghero 15.Juni bis Ende Oktober 2012

19. Juni

Es geht jetzt los. Die letzten vier Tage haben wir geputzt, gesägt, geschleppt, den Mast getrimmt, Kelly ist zur Jumpstag gestiegen, wir haben den Autopiloten wieder mit Strom versorgt, das neue Grosssegel und neue Reffs angebaut. Zwischendrin gabs immer wieder Fischbrötchen vom Imbiss nebenan. Es war kalt, Regen, zu viel Wind aus West. Dann endlich besser. Chrissie, unser Meteorologe (an dieser Stelle besten Dank!) ruft an und meldet den neuesten Wettertrend. Leichte und eher östliche Winde, ideal für einen gemütlichen Start.

Am 19. Juni fahren wir los, um 11:00 aus der Schleuse in Hooksiel. Neben uns ein Typ "in drei Tagen nach Cherbourg... Ich segel viel alleine....". Unsere erste Schleuse, klappt alles gut. In den Außenhafen, die Jade und dann nach West die Nordsee. Die friesischen Inseln ziehen langsam an uns vorbei. Ich sehe Spiekeroog in der Ferne, Sand, Dünen. Muss an Wasserfalten denken, an Heckenrosen, Juckpulver, an Sanddorn und an die Holzwege unter den nackten Füßen. Weiter gehts die Nacht durch, die zum Glück kurz ist, am Himmel bleibt ein kleiner heller Schimmer. Auf dem Wasser Lichter und eine Baustelle mit schwimmendem Kran, alles wild beleuchtet. Wind von hinten, dennoch wirds kalt und beide am nächsten Tag müde.

 

 

 

Das Boot:

Cayenne 42. Laenge: 12,70m. Breite: 2,70. Tiefgang: 2m. Verdraengung: 7 t. Segelflaeche: 80 qm am Wind. 3 Vorsegel. Spi 1 120qm, Spi 2 80 qm. Motor: Volvo Penta 18 PS.  

 

20. Juni Texel

Abends Ankunft, großer Burgerhunger. Der Hafen voller Plattbodenschiffe, schön hergerichtet und mit Schulklassen drauf oder manchmal auch alten Typen, etwas abgehalftert. Wir schleppen uns durch den Hafen und die Gassen, kein Burger weit und breit. Schließlich doch im Restaurant der Marina gegessen, gut.

21. Juni Texel nach Scheveningen (Den Haag)

Mit dem letzten guten Wind aus Südost sausen wir halbwind nach Scheveningen. Abends Ankunft. Im Hafen trifft uns dann die erste Bö vom versprochenen starken Westwind. Linda verletzt sich sehr blöd beim Überklettern eines Tors, Metallzacke spießt sich ins Bein, ohweh, ein Loch im Bein. Gleich mal den tollen Arztkoffer ausprobiert. Dann aber doch lieber ins Krankenhaus (Fett !), ein Herr nimmt uns mit, den ich zufällig treffe. Im Krankenhaus gibts nichts zu Essen, es ist 22:00 und Kelly wird langsam ohnmächtig. Mir wird das Loch im Bein nochmal gespült und verbunden, die Assistenzärztin zweifelt, ich zweifle auch. So was Dummes. Zurück mit dem Taxi schnellstens zum nächsten Fish&Chips. Der Taxifahrer weiß, wohin, er erklärt uns außerdem, wie man Heringe isst, die jetzt am fettesten und besten sind, roh, an einem Stück, den Arm hoch, Mund auf, so. Er fährt uns zu einem guten Imbiss am Hafen, nachts erscheinen hier alle möglichen Vögel, die hier einkehren, frittierte Sardinen, Heringe, Scholle, Pommes, endlich Burger! (aber nicht so gut wie der Fisch). Pommes, Cola, Sardine, Burger, Bäuche voll, die Möven bleiben immer hungrig. Dann zum Schiff zurück gehumpelt. Der Verband ist schon durch und wird erneuert, dann noch eine Schmerztablette und ins Bett.

22. Juni Scheveningen

Am nächsten Tag frischer Ausflug mit den Rädern an die Strandpromenade, starker Wind, tolle Fischläden, lecker lecker, der Wind nimmt immer mehr zu, Gischt, Sandsturm am Strand, sehr coole Surfer. Ein fantastisches Surfergirl im rosa Neopren, das Brett in einer Art gehäkeltem Etui, in rosa Streifen unter dem Arm auf einem Klapprad. Wir wollen sie noch mit Chrissie verkuppeln, da ist sie leider schon weg, stürzt sich in die Brandung, denke mir, wie ihr die blonden Locken ind Gesicht schlagen, sich ihre sicher wohlgeformten braunen Zehen ans Brett saugen. später gubts Pfannkuchen mit Zuiker und Grand Manier, mh. Auf dem Rückweg Muscheln und Fisch besorgt. Ah und in einem tollen Laden waren wir mit sämtlichen Schrauben und Klemmen und Haken, Sicherungen und was das Herz begehrt. Der Hafen ist aufregend, viele große Fischkutter, Hallen, Fischläden, lässige Typen, irgendwie trägt hier niemand einen Helm auf dem Moped, sondern lieber dicke Kopfhörer. Zurück auf dem Boot nimmt der Wind noch mehr zu, in Böen bis 35 kn und wir werden im Hafen durchgeschüttelt. Also eingeweht, Zeitung raus, Füße hoch. Das Loch im Bein sieht ganz gut aus, Verband gewechselt, schon wieder durch. Aber guten Muts. Die Pinne kann notfalls als Holzbein herhalten. Die Holländer so ganz entspannt, cool, weltoffen, gemütlich. Sitzen in winzigen Kneipen an der Hafenmole, zusammengedrängt wie in einem Container bloß mit Blick nach Draußen, trinken und lachen. Oder verlegen das Picknick hinter die Dünen auf den Parkplatz weil am Strand alles schon davonfliegt, breiten Tüten und Schüsseln auf dem Asphalt aus, stehen zu vielen drumrum, reden, Essen, überall Fahrräder. Zurück am Boot gibts Miesmuscheln und dann rohen Thunfisch mit Reis und Wasabi, Salat und Rosé. der Wind heult, das Boot wackelt und ruckt in den Leinen, die Schiffe im Hafen schräg. Innen alles sehr gemütlich, trocken und warm. Gute Nacht.

23. Juni Scheveningen

Weiter Westwind, wir bleiben. Morgens endlich "geduscht", das ist ein akrobatischer Akt mit dem Verband am Bein, danach aber sehr viel wohler, Alles sauber. dann ein Tag mit Bastelarbeiten und leckerem Essen. Die Leiste mit Umlenkrollen am Mastfuß steuerbords ausgetauscht, alles neu, Simlock vom tollen Maritieme Watersport Laden. Kelly bohrt Löcher durchs Deck! Alles schön mit Silikon abgedichtet, Fallen und Reffleinen wieder eingefädelt. Die Ankerklappe bekommt einen Riegel, damit der Anker nicht aus versehen rausfällt, Schrauben abgesägt, Luke ausgefeilt. Das neue Motorlicht am Mast fällt schon runter (Werft in Kiel und Herr Töpke werden lauthals verflucht!) und muss komplett neu angebracht werden, Kelly klettert schon wieder den Mast hoch. Dann Spaghetti vongole mit frischen Müscheli, mh.

24. Juni Immer noch Scheveningen

In die Stadt Den Haag gelaufen und ins GEM Museum für zeitgenössische Kunst, Fotoausstellung Antoine D'Agata, der sagt, er habe, den Platz hinter der Kamera verlassen und sei selbst Teil der Geschehnisse seiner Bilder und dass den Ärmsten als Ausweg aus der Sklaverei nur die Selbstzerstörung als Akt persönlicher Freiheit bliebe. Bleibt uns die Frage in den Hirnen wie jemand, der für Magnum fotografiert und Ausstellungen überall in der Welt gibt, gleichzeitig Teil dieser "Unterwelt" sein kann, mit deren schockierenden Aufnahmen er sein Geld macht. Die Junkies auf den Bildern gehen wohl leer aus? Etwas von den alten "Völkerschauen" klingt an, sieh mal, Hinz und Kunz, ein Junkie, fertig schaut der aus. Natürlich auch wir, die Betrachtenden eingenommen. Ein bisschen Junkie, ein bisschen Auschwitz. Die Bilder trotzdem beeindruckend. http://www.fotomuseumdenhaag.nl

25. Juni und 26. Juni Scheveningen nach Brighton, 27.Juni Tag in Brighton

Um 7:30 Abfahrt bei Wind aus West mit 5-6 Bft, Wir fahren kurz vor Hochwasser ab. Eine recht ruppige Welle entsteht, als das ablaufende Wasser gegen den Wind trifft. Mit Kurs am Wind kämpfen wir uns ganz gut vorwärts. Trotz Scopolamin Pflaster merke ich die komische Welle, bei Schräglage und dem dauernden auf und ab und allen anderen möglichen Richtungen (dreidimensional) liege ich viel auf dem Sofa im "Wohnzimmer" mit viel Müdigkeit und recht verschwurbelt. Später wird es besser und Kelly legt sich hin, während ich aufpasse. Gegen Abend lässt der Wind nach, die Welle wird angenehm und wir beschließen, weiterzufahren. Kelly navigiert nachts durch die Sände vor Niewpoort, ich übernehme den zweiten Teil und quere die Schiffahrtstraße zwischen Dover und Calais. Nachts ist das etwas unheimlich, Lichter kommen und gehen, blinken, verschieben sich. Vorne am Bug gibt es mit der Gischt ein Gefunkel aus rotem und grünem Feuerwerk wenn sich die Welle am Bug bricht und unser Buglicht das Wasser beleuchtet. Es ist sonst erstaunlich still, das Wasser rauscht leise. Zwei großen Frachtern bin ich ausgewichen, einer hat uns schon böse angefunkelt, mit Kelly eine schnelle Wende und zurück, der Frachter fährt vorbei. Im Morgengrauen tauchen dann wie Gespenster die Kreidefelsen der englischen Küste vor uns auf. Aber wie bei Asterix und die Briten, als Obelix und Asterix mit ihrem Cousin aus England über den Kanal rudern, um ihren Verwandten ein Fass voll Zaubertrank zu bringen, kommt sogleich der Nebel auf. Alles wirkt sofort ganz geisterhaft und wir denken an die Strandräuber und den Klabautermann. Beide lassen uns aber zufrieden, der Nebel wird langsam weniger und die Sonne kommt mittags durch. Das Wasser ist plötzlich ganz türkis, auf einmal ist Sommer und Karibik. Wir legen in Brighton an, eine hässliche Marina, jedoch mit sehr guten sauberen Duschen. Ohne Passkontrolle oder Einklarieren gehen wir einfach in die Stadt, schnell viel zu Essen beim Inder. Mit den Rädern sind wir am nächsten Tag gleich bei der Promenade. Wir gehen eine Runde laufen oben auf den Felsen durchs Gras zum nächsten kleinen Strand mit Häuschen und Geschäften. Dort ist ein wunderbarer kleiner Laden in einem alten bemalten Haus. Es gibt die besten alten Dinge aus den 50ern bis 90ern, Kleider, Bücher, CDs, eine Oma die sicher viel älter ist als die Antiquitäten, die sie verkauft, ist im Laden. Sie hat bestimmt die Sachen ausgesucht, die sie am meisten mag. Wir kaufen ein Buch und eine CD von Pink, die fand die Oma bestimmt gut. Es gibt auch Schallplatten mit Männern auf dem Cover, die Topffrisuren tragen und dicke schwarze Schnurrbärte, schade, dass wir keinen Plattenspieler haben.

28. Juni Brighton nach Cows (Isle of Wight)

Aufbruch um 6:30 mit ablaufend Wasser und 3-4 Bft aus Südost. Idealer Segeltag. Wir haben uns verabredet und starten mit unseren Nachbarn zusammen, einem holländischen Ehepaar. Bei schönem leichtem Wind setzen wir den Spi, der sieht aus wie die Hose von Obelix. Die Holländer kommen nicht so mit. Drei Halsen auf dem Weg zur Isle of Wight, ich hänge wie eine Maus am Spibaum, nehme all meine Mäusekraft zusammen, um den Baum auf die andere Seite zu bringen, es klappt aber mit ziemlich Gequieke. Kelly jongliert derweil Spischoten, Backstaken und Großsegel und organisiert die Halse. Nachmittags Ankunft in Cowes am Nordende der Isle of Wight. Im Solent, der Passage zwischen Insel und Festland, viele schöne Schiffe, alte Rennsegler aus Holz. Außerdem Fähren, Hoovercrafts und kleine Motorboote mit Muttis und Vatis drauf, die zum Fischen fahren. Diese Boote sind winzig und schaukeln wild, kleiner Unterstand vorne und Außenborder hinten. So fahren die aufs offenen Meer??? Mutti trägt lediglich einen rosa Bikini und dazu eine Schwimmweste. Kurz dachten wir schon, sie habe gar nichts an, Kelly behauptet, rosa sei die Hautfarbe der Engländer. Aber beim Näherkommen tatsächlich ein rosa Bikini. Die zwei auf ihrem Boot sicher sehr glücklich, zum Fischen raus am Wochenende, frische Seeluft. Cows ist eine schöne Stadt, alte Häuser, schöne Cafés, französischer Bäcker, alle auf Segeln eingestellt. Kanone an der Landspitze, mit der die Regatten gestartet werden. Royal Yacht Club. Abends im Pub Euro Deutschland Italien, schön gespielt aber leider verloren.

29. Juni Cows

Morgens versuchen wir, weiter nach Westen zu kommen, den Solent weiter. Bei angesagten 20kn Wind wechseln wir auf die kleine Starkwind-Fock und segeln mit erstem Reff. Als wir in den Solent kommen ist gleich das zweite Reff sehr erforderlich. Es ist bereits ziemlich viel Welle, obwohl wir noch in der Passage hinter der Insel sind. Der Wind ist sehr frisch, deutlich mehr als angekündigt, 25 bis 32 und mehr kn, in Böen bis 38 kn! Bei Wind gegen an und Welle legt sich Frau Pfeffer auf die Seite, das Wasser gurgelt ins Cockpit. Kajüte zu. Das Boot hält sich gut und bei Strom mit uns gehts rasch. Aber bei Aussicht auf sehr viel mehr Welle bei Ausfahrt ins Meer, der Wind steht gegen den Strom des ablaufenden Wassers, beschließen wir, umzukehren. Noch ein bisschen geübt draußen, Fock back ausprobiert. Kelly nimmt das Großsegel runter, nur mit Fock und Raumschots viel besser. Zurück in der Marina gibts keinen Platz für uns obwohl ich mich aufrege, immerhin haben wir gerade abgebrochen bei zu viel Wind. Dann flussaufwärts bei FOLLY LAUNCH an einem Ponton im Fluß einen Platz bekommen. Sehr schöne Gegend und ein tolles INN mit leckerem Essen (wir bestellen erstmal zwei Steaks und Cola und Eton Mess und Café). Ein kleiner Spaziergang durch die schönen Wiesen zu einer kleinen Kirche, die wunderbar liegt mit Blick auf den Fluß, ein alter Friedhof mit verwitterten Grabsteinen, Bäume, hohes Gras. Auf dem Weg dorthin riecht es nach Mandelplätzchen.
 
Race around the Isle: Im Solent Start in Cowes

30. Juni Cows nach Weymouth, 1. Juli in Weymouth

Abfahrt 7:30 von Folly Launch nach Cows. Heute ist Race around the Isle. Das scheint eines der größten Segelereignisse des Jahres zu sein, in das wir da hineingeraten. Zuerst starten die großen Superjachten, dann die anderen, es scheint jeder mitzufahren der irgendetwas ähnliches wie ein Boot hat, alle sind aufgeregt. Wir starten morgens mit dem zweiten Pulk, der ganze Solent ist voll mit Booten, 1800 nehmen teil. Frischer Wind, alle erstmal gegen an bis zum Ausgang des Solent. Es sieht wunderschön aus,unendlich viele Schiffe, helle Sonne, vor dem Royal Yacht Club. Dort wird zum Start eine Kanone abgefeuert. Wir mischen uns unter die Boote, segeln einfach mit, Wende, Wende, überholen viele, müssen ausweichen, wir rauschen mit ablaufendem Wasser auf den Ausgang zu. Wir bewundern ehrfürchtig die "Needles" der Isle of Wight aus der Nähe, Sandsteinfelsen, die steil aus dem Wasser ragen wie Zähne, davor ein Leuchtturm. Dann biegen wir rechts ab, immer gegen den Wind, das übrige Feld fällt ab und fährt weiter links um die Insel, immer mehr Boote, kein Ende. Für uns wirds anstrengend: 45 Meilen gegen den Wind, an Landzungen vorbei,wo sich die fiesesten Wellen bilden, 2m hoch, sehr spitz und irgendwie aus allen Richtungen. Die Wellen brechen zum Teil schon hier draußen. In der Karte sind ja auch böse Wellenkämme eingezeichnet und genauso kommts. Mir wird ganz komisch trotz Pflaster, ich merke, wie ich langsam müde werde, inaktiv, mir wird kalt trotz vier oder fünf Lagen unter dem Ölzeug. Die Kleidung bewährt sich übrigens sehr, mit Gummikragen und Gummimanschetten an den Händen, es kommt kein Wasser rein, später zeigt sich, dass ich innen ganz trocken bleibe. Jedenfalls wird mir bei diesen gemeinen Wellen und Wind 20-27 kn gegen an langsam komisch, ich merke wie die Seekrankheit kommt. Ich versuche, aktiv zu werden, gehe ans Steuer und bleibe da bis zur Ankunft in Weymouth. So gehts, nicht mehr so übel, mir ist nicht mehr ganz so kalt, immer schön am Wind bleiben, die Gischt schlägt übers Boot und über mich, wir machen die Luke zu. Zwischendurch klettert Kelly nach unten und schaut, wo wir sind, plant. Mit einer Wende am Kap mitten in den Wellen kommen wir genau hin. Leider sah mein Bein heute nicht so gut aus, es bildet sich eine harte Stelle, die mir Sorgen macht und aussieht, als würde sich da ein Abszess bilden. Oh je, ich bin sehr deprimiert und kann meine Heldentat, durch diese Wellen gesegelt zu sein, gar nicht recht bejubeln als wir ankommen. Jetzt Cefuroxim, dann die nächste Zeit sehen, wies wird. Aber ich bin sehr betrübt und fürchte wie immer das Schlimmste. Weymouth ist wunderschön, wir liegen direkt in der Stadt, kleine alte Häuser, sehr schmuck und lustig alles. Nette kleine Straßen. Eine wunderbar altmodische Strandpromenade, am Strand alte Krussels und Liegestühle. Gute Pubs im Hafen, einer direkt bei unserem Landeplatz, oben im dritten Stock, jemand ruft aus dem Fenster, es sei wunderbar voll hier oben und wir sollen doch raufkommen. Auch die Rentner neben uns, an deren Breitseite wir liegen, sind sehr gesprächig und freundlich, wart ihr schon in Weymouth? Nein, das erste Mal hier. Ah, ich erzähl Euch was, hier gibt es Geschäfte und und. Und viel mehr weiß ich auch nicht aber amüsiert Euch! Die Nachbarin liegt dabei windgeschützt in der halb geöffneten "Kuchenbude", neben ihr ein Hündchen, das einen eigenen Platz hat mit Spielzeug und Fressnapf und der uns neugierig anschaut. Hier gibt es natürlich echtes englisches Frühstück, bei der Segelei kann ich das jeden Morgen essen, wobei ich feige die Wurst auslasse, die fies nach Mehl, Isoliermaterial und Sägespäne schmeckt, Fleisch sagt man, soll wohl auch enthalten sein. Starker Tee dazu, alles gut. Der Wind kommt weiter aus West bzw. Südsüdwest angesagt. Um weiter nach Westen zu fahren zu westlich, und um den großen Sprung nach Süden zu wagen dann zu sehr auf Süd drehend. Schon wieder festgesetzt. Aber an einem sehr schönen Ort, so lange wir nicht bis zu unserer Rente bleiben müssen, sehr angenehm. Wir beschließen, ein oder zwei Urlaubstage einzulegen. Ein Krankenhaus gibt es auch für mein Bein für den Notfall. Ich leg erstmal die Flossen hoch. Freu mich schon abends auf Pizza im Pub gegenüber.
 

The Needles vor der Muendung des Solent

Weiter in Weymouth

Die nächsten Tage verbringen wir mit dem Starren auf den Wetterbericht auf windfinder.com und dem Essen von Pizza im Pub gegenüber.Wir bekommen dort auch leckeren Cider, nachdem der erste in Brighton wirklich gruselig war. Auf die Ansage dort: "ihr wollt bestimmt einen natürlich-trüben echten Cider" und unser ahnungsloses Nicken bekamen wir eine völlig stille Brühe ohne jede Kohlensäure, warm, die ziemlich so schmeckte, wie Kellys Kompost im Herbst riecht. Wir kommen irgendwie hier nicht los, jeden Abend sitzen wir gebannt vor der Wettervorhersage, immer Wind aus Westsüdwest, immer gegen an, auch noch Regen. Ich lecke meine Wunde und jammere ein bisschen vor mich hin.

Überfahrt westlicher englischer Kanal 3. Juli bis 4. Juli (ca. 38 Stunden)

Am 3.Juli wagen wir es einfach, morgens 10:00 mit ablaufendem Wasser los, versuchen ganz am Wind so weit wie möglich nach West zu kommen und hoffen auf westdrehenden Wind, damit wir dann nach Süden kommen. Dieser englische Kanal zeigt uns wieder, was feines englisches Wetter ist: erst Regen, es zieht die ganze Zeit kalt, dann am frühen Morgen im Halbdunkel Seenebel, Sicht gerade nur bis zur nächsten Welle. Wir segeln in ein weißes Loch, völlig diffuser Zustand. Die Tidenströmung treibt uns mal vorwärts und mal ist sie gegen uns, so daß wir schleichend im Nebel stecken. 3:00 bis 7:00 passe ich auf. Auf die Treppe zum Niedergang gequetscht um unter der Sprayhood dem gruselig kalten Wind zu entgehen, die Hasenohren angelegt, schaue ich mit riesigen Augen in den Nebel vor mir, versuche, je intensiver ich schaue, den Nebel irgendwie zu durchdringen. Das gelingt mir jedoch nicht. Dann in der Suppe plötzlich ein Geräusch, war das ein Nebelhorn? Dann wieder, ja da ist eins. Ein tiefes, durchdringendes brummendes Tuten, das einem das Mark in den Knochen zum Vibrieren bring. Es wird lauter, aber aus welcher Richtung? Noch lauter, ich starre auf die weiße Wand vor mir, erwarte jeden Moment, daß ein riesiger Frachter direkt vor uns aus dem Nebel auftaucht. Wir antworten mit unserer "Ukulele", einer Presslufttröte, die uns höllisch laut erschien, jetzt aber doch sehr kläglich klingt, kaum den Nebel durchdringt und uns vielleicht nur selbst erschreckt, anstatt dem dröhnenden Horn des Frachters etwas entgegenzusetzen. Zweimal Frachterhorn, einmal sehe ich das Schiff rechts vorbeiziehen, einmal wird es leiser und verschwindet. Nachts macht der Wind die erwartete Westdrehung, was uns nach Süd endlich vorwärtsbringt. Dann wird es heller, die Sonne dringt durch und plötzlich ist Sommer. Die französische Küste vor uns. Wir sind erschöpft aber froh, es gibt Frühstück. Ich nehme den Junion Jack runter und hisse unter Singen der ersten Strophe der Marsaillaise, die französische Flagge. Wir bewegen uns unendlich langsam unter Motor auf die Westspitze Frankreichs zu, Gegenstrom, wir machen gerade mal 2,5 kn über Grund. Dabei ist der Fahrplan eng: bis 19:00 müssen wir in den Chenal du Four einfahren, einen breiten Kanal zwischen dem Festland und der Ile D'Oussant, den man nur mit der Strömung passieren kann. Im Chenal ist die Strömung etwa zwei Stunden versetzt zu der am Festland entlang des englischen Kanals. wir schaffen es gut, die Strecke ist gut zu navigieren, mit der Strömung machen wir plötzlich 10 kn. Wir drehen Serge Gainsbourg auf. Plötzlich saust Kelly nach vorne, etwas im Wasser. Define! Die stehen auf Gainsbourg, ist ja auch 'n cooler Typ. Drei oder vier begleiten uns ein Stück, begrüßen uns in Frankreich. Eigentlich wollen sie uns vor etwas warnen, aber wir haben natürlich keine Ahnung und sind begeistert. Der Chenal wird am Ausgang enger, Leuchtturm vor der Pointe de St. Matthieu links, soweit alles ok. Weit vor uns irgendwie seltsame Wellen. Dann für uns Idioten unerwartet plötzlich auf Höhe des Leuchtturms auch bei uns, wir kriegen gerade noch die Luke zu, steuern von Hand: Wellen wie im Wildwasser von allen Seiten! zwei Meter aber kantig und wild durcheinander. Der Strom aus dem Chenal trifft gurgelnd und brausend auf den Südwestwind. Ich erschrecke ordentlich und mache die Laus (festklammern, ansaugen!), während ich versuche, die Wellenkämme gerade zu treffen. Kurze Zeit bin ich sicher, wir werden an den Felsen zerschellen (dabei treibt uns der Strom ja raus), das Boot umkippen. Oder ich rausfallen trotz Lausehaltung. Dann sind wir auf Einmal durch, die Wellen hören auf, alles ruhig, weniger Strom, yippee! Das letzte Stück nach Camaret ist etwas zäh, wir kommen Abends um 23:30 an, die Heizung ist nass und das ganze Boot stinkt wie ein Kabelbrand. Wir fallen zu erschöpft um uns richtig zu freuen ins Bett.

5. Bis 9. Juli Camaret sur Mer!

Die Freude ist dann am nächsten Morgen um so größer, Frühstück im Hotel Vauban, Pain au Chocolat heiß ersehnt, Croissant, knuspriges Baguette, hausgemachter Joghurt, Früchte, Café au Lait. An den Wänden hängen hier Bilder von den Seglerhelden: Red Socks Sir Peter Blake, Ellen McArthur und natürlich Tabarly, wir fühlen uns sehr wohl hier und auch sehr heldenhaft. Die nächsten Tage sind wunderschön, Sonne, auch viele Regenschauer. Zu Kellys Geburtstag gibt der Ort eine Fete maritime mit alten Booten, großer Show der Saufter en Mer mit Hubschrauber und spektakulärer Rettungsaktion, natürlich Moules frites und schauerlichem Dudelsackorchester. Und Kelly bekommt eine Torte, die mitgebrachten Geschenke werden herausgekramt und jemand ist sehr glücklich.

Mehr Camaret sur Mer

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Piratenangriff in Camaret sur Mer

Und dann plötzlich mitten im Ort gemeine Piraten! Doch mit mir haben sie nicht gerechnet. Ich zücke meinen Degen und schlage sie in die Flucht.

Weiter in Camaret sur Mer

Einen Tag vor der geplanten Abfahrt beschließen wir, eine Radtour über die Insel zu machen mit unseren sensationellen Klapprädern. Zum Hauptort nach Crozon, und ich will unbedingt zum Plage de la Palue, dem schönsten Strand, an den ich mich erinnere von früheren Ferien hier, wie im Traum, melancholisch, neblig ist er zu Hause ein Ort geworden, den ich besuchen konnte wann immer mir danach war. Wir denken zum Strand das wären so 7 km, wohl kein größeres Problem. Schon beim Aufsteigen fühlt man sich auf diesen lächerlichen Dingern jedoch sofort wie eine Oma und der Weg wird auch sofort immer länger. Nach Crozon sind es gefühlt schon 10 km. Dann nach Morgat und wieder rauf nach Lost March. Der Strand ist wunderschön und genauso schön anders schön als früher, in echt. Leider gibt es die Creperie in Lost March nicht mehr, die so leckere Crepes produzierte, und unsere Hoffnung auf Nahrung und Getränke wird bitter enttäuscht. Wir erholen uns am Strand und Picknick gibts auch. Dann eigentlich auf direktestem Weg zurück, so der Plan. Doch weiter und weiter gehts, Straße, Feldweg, Matschweg, Holzweg. Wir lernen Einheimische kennen und sehen die gesamte Insel, inklusive Ile longe, Roskanvel, Moore, Felder, wir treffen Kühe, die uns wissend uns leise die Köpfe schüttelnd nachschauen. Nach etwa 50 km kommen wir völlig am Ende doch noch in Camaret an, wir hatten uns schon aufgegeben. Die letzten Hügel bewältigen wir mit zusammengebissenen Zähnen, die Hintern wund, die Beine lahm. Wir stürzen uns auf Crepes und Cola.

Crozon, Camaret sur Mer - der Strand

9.Juli von Camaret nach Benodet

10. Juli und 11. Juli nach Port Louis (Lorient)

Wir treffen Laouen, Aisha und Iria Flavia. Laouen ist sehr nett, herzlich,ein großartiger Bretone! Seine Frau Aisha ist Italienerin und wunderbar und die kleine Flavia packt mich mit festem Griff und flüstert mir auf französisch Geheimnisse zu. Wir Essen riesige Mengen an Meeresfrüchten, fahren mit Laouens uraltem Peugeot und erleben Abenteuer beim Rudern. (Langsam habe ich aber keine Lust mehr auf Abenteuer, ich möchte einfach nur ganz normal spazieren gehen, ohne irgendwo hochzuklettern, auf Simsen zu balancieren oder über Zäune zu klettern oder verloren zu gehen, ich möchte Lesen und die Füße hochlegen und vielleicht einen Tee trinken.) Ich hätte mir denken sollen, daß ein kleiner Ruderausflug mit jemandem wie Laouen, der Seespinnen auslutscht und mit beiden Händen Meerestiere zerteilt und ein bretonischer Holzkopf ist und einen stinkenden Peugeot fährt, wieder sofort zu einem Abenteuer wird, für mich, für die Laus. Also rauf aufs Ruderboot, in die höllische Strömung, die mich abtreibt, rum um eine kleine Insel, ich fluche, schimpfe. Auf dem Foto sieht natürlich alles ganz harmlos aus. (Foto folgt hoffentlich).

Ruderausflug in Port Louis

12. Juli nach Belle Ile und 13. Juli auf Belle Ile

Halbwind gehts schnell und über viele große Wellen nach Sauzon. Unser Autopilot streikt sofort. Beim Steuern komme ich mir wieder wie ein Galerensträfling vor, nur dass ich diesmal nicht angebunden bin. Dafür gehts die Wellen schnell runter, der Rekord des Schiffs (bisher bei 16 kn) wird gebrochen: 17 Knoten! In Sauzon auf der Belle Ile legen wir an einer Boje vor dem Hafen an, blasen das Beiboot auf, mit dem kleinen Elektromotor kann man langsam und majestätisch zum Hafen gleiten. Die Insel ist tatsächlich sehr schön, Felsen, grün, Strände, Kliffs, alles da. Ein sehr gutes Frühstück mit starkem Milchkaffee und Croissants vom Bäcker nebenan. Aber es regnet anhaltend in unterschiedlichen Stärken und nachdem wir an dem Tag mehrmals durchnässt wurden sank die Stimmung. Wir werfen wieder mal die Heizung an (ja das Boot schwedischer Herkunft wurde vorausschauend mit einer Heizung ausgerüstet, Dieselbetrieb, angenehme warme Luft unter den Bänken und im Bett, sehr angenehm, wenn sie nicht gerade einen stinkenden Qualm verteilt). Abends dreht der Wind unerwartet auf Ost, also von See auf uns aufs Land, er nimmt immer mehr zu. Wir überlegen schon fast, das Weite zu suchen. Angesagt ist aber Westwind und er dreht auch wieder auf West, also bleiben wir. Ein Boot, das ankommt versucht immer wieder in Wellen und starkem Wind an einer Boje anzulegen, das funktioniert nicht. Der arme Kelly saust in unserem etwas lächerlichen Beiboot los, Leine an die Boje, Leine zum Schiff. Schon wieder nasse Füße.

Belle Ile lecker Lotte

14. Juli nach Ile D'Yeu

Wir segeln raumschots und halbwind nach Ile D'Yeu, etwa 50 nm, kommen sehr gut und rasch an. Auf der Insel gibt es ein gediegenes Abendessen schick zum Abschluss der ersten langen Etappe zur WM und zum französischen Nationalfeiertag. Nach über einer Woche dusche ich endlich wieder mal. Irgendwie ist das Bedürfnis nicht so groß, sich bei Kälte und Feuchtigkeit auch noch unter die Dusche zu stellen. Die Duschen im Hafen funktionieren zwar meistens, manchmal wären jedoch Plastikschlappen mit Plateausohlen wünschenswert. Die kleine akrobatische Übung mit den Füßen in die Hosen zu kommen ohne mit den Hosenbeinen den Boden zu berühren, beherrsche ich bereits vor unserer Reise. Das Essen sehr köstlich Muscheln und Foie gras und Thunfisch von hier und köstliches Sorbet mit Merenge. Merci Grand Pere.

15. Juli nach La Rochelle

Fast 60 Seemeilen, Wind von hinten, wir ziehen den Spinnaker. Ich also wieder Mauslaus am Spibaum. Dafür rauschen wir angenehm dahin, die Sonne scheint endlich, wir ziehen endlich die Skisachen aus, es wird Sommer. Puh, ganz schön heiß auch so ein Sommer. Irgendwie ist trotz des schönen Wetters die Stimmung heute nicht ok, alles blöd, hoffentlich wird das besser. Abends kommen wir an, radeln in die Stadt, die Altstadt ist wunderschön, überall Musik, Festival Frankofoulie oder so, jedenfalls spielen überall Bands und die zwei Mittelaltertürme am Eingang zum Hafen schauen aus wie die Kulisse zu einem Piratenfilm.

WM und Preworlds

Am 17. Juli beginnt die Preworlds und dann folgt die WM. Wir bleiben zwei Wochen in La Rochelle. Berichte über die WM und Interviews, Heldentaten und Fashion könnt ihr unter "Preworlds und WM" verfolgen. Hier geht es dann nach der WM wieder weiter.

30. bis 31. Juli La Rochelle nach Santander

Wir starten um 10:00 in La Rochelle, nochmal lecker Pain au Chocolat, Marmeladenbaguette und dann endlich wieder: Wassertank auffüllen, Öl nachschauen, Seeventile zu. Schnell ein paar Sachen aufräumen, damit nicht alles rumfliegt wie im Raumschiff. Nochmal ein Blick aufs Wetter, die nächsten Tage mild und wenig Wind aus West, dann auf Ost drehend. Klamotten rauslegen, denn, ich ahne es schon, die Skibekleidung hat noch nicht ausgedient. Jedenfalls geht es los. Die Türme von La Rochelle werden kleiner, die Ile D'Oleron größer, wir fahren am Wind. Damit wir um die Il d'Oleron kommen müssten wir ziemlich kreuzen und Umwege fahren. Es gibt da auch so eine Passage zwischen der Insel und dem Festland. Allerdings: in der Karte stehen Tiefen um höchstens einen Meter, viel zu wenig für unser Schiff, doch bei auflaufendem Wasser möglich. Jedoch: eine Brücke am Ende der Durchfahrt, 18 Meter Höhe steht in der Karte. Oh, unser Mast hat, ja Moment mal wieviel eigentlich, äh, um die 18 Meter? Also das Großsegel hat 14, von der Wasserlinie bis zum Großbaum, mh, so 3 Meter, macht 17, bleiben für die Mastspitze mit Windmesser und Antenne... 1 Meter. Aha, aber die Flut ist ja noch nicht ganz oben, vielleicht geht es doch. Schnell versuchen wir, die richtigen Fragen zu stellen (und hoffentlich auch zu beantworten): Wie hoch steht das Wasser wenn wir ankommen? Wie werden die 18m Brückenhöhe eigentlich berechnet? Ah, beim höchsten astronomischen Hochwasser, das klingt doch ziemlich hoch. Aber wie finden wir raus, wie hoch das höchste Hochwasser bei der Brücke ist? Also los, die Tabellen raus, die Zeit schätzen bis wir ankommen, höchste Tide minus aktuelle Tide, plus Brücke, minus Masthöhe, astronomisch alles oder was? Wir werden etwas nervös, je näher wir der Brücke kommen. Alles nochmal nachgerechnet, zwei Hirne denken mehr als eins? Das sollte gehen. Sollte reicht nicht? Na gut, das geht sich aus. Nur blöd, daß Brücken immer von unten so aussehen, als wären sie zu niedrig und der Mast sieht immer so hoch aus. Mir wird schwindelig, als wir unter der Brücke sind. Ich denke mir die scheußlichsten Szenarien aus, in Schräglage geht aber unter der Brücke kein Wind, Mast richtet sich auf, klemmt fest, Strömung, Tide kommt... Der Mast bricht ab. Halt nein, wir sind ja schon durch, alles hat durchgepasst, yipee! Die Nacht kommt, die Wellen glänzen wieder metallisch als es dunkler wird und das Meer sieht ein bißchen aus wie der Panzer eines riesigen Reptils, das sich leise bewegt. Das ist also die große Biscaya die leise sagt: ah, ich bin die große Biscaya! Ich war den Tag über wieder mal leicht seekrank, konnte zwar alles machen aber es hat sich nicht immer alles so angenehm angefühlt. Rechtzeitig Tabletten (Meclozin) geschluckt und Pflaster (Scopolamin) geklebt. Abends wird es besser und ich genieße das Geschaukel wieder. Mit der Seekrankheit ist es sowieso komisch: manchmal machen mir wilde Fahrten nichts aus, dann wieder kommen schon bei gutem Wetter, lediglich weil das Boot so schräg ist, schon Hirnschwurbel und Magenfläue. Die Orientierung ist auch etwas verschoben, wenn das zu Hause plötzlich auf der Seite liegt. Ich denke an meine Wohnung in München und stelle mir das dort vor, um in die Küche zu kommen muß ich mich seitlich am Sofa festhalten, die Bücher fallen aus den Regalen, alles rutscht auf eine Seite, da wäre mir auch nicht mehr so wohlig. Die Psyche spielt natürlich auch viel mit, Mulmigkeit vor dem Losfahren oder Abschiedstraurigkeit führen gleich zu mehr Übelkeit. Steuern und das Gefühl, das Boot zu lenken und alles im Griff zu haben oder gute Musik zu hören oder sich auf den Großbaum zu setzen hilft dagegen sofort. Meistens geht es ganz gut, wenn ich aber bei längeren Fahrten merke, das es kommt, nehme ich gleich was bevor es richtig losgeht. Die Nacht ist ruhig, der Wind wird schwächer und dreht dann auf Ost, was die Schräglage wesentlich angenehmer macht. Wir begegnen keinem einzigen Schiff. Um 2:00 wecke ich Kelly, um 6:30 weckt er mich, so um 9:00 Frühstück Müsli Obst Joghurt, Tee, später noch ein Pfannkuchenfrühstück. Am Nachmittag kommen die Delfine, größere und kleinere, die mit der Welle surfen und um den Bug schnellen. Mit der Hand im Wasser kommen sie mir sehr nah, schauen nach oben. Was die sich wohl denken? Wir haben einen Mensch gesehen, der hat sogar die Hand nach uns ausgestreckt! Daß diese Menschen keine Angst haben vor uns?! Und Danke für den vielen Fisch! Weiter gehts halbwind, am Abend kommen wir in Santander an. Dort finden wir einen schönen Ankerplatz vor dem Playa de los Peligros. Anker rein, die Kette klappert. Schnell und sehr hungrig pumpen wir das Beiboot auf, Batterie, Elektromotor zum Strandrestaurant. Wie war der Name des Strandes? Strand der Gefahren? Warum heißt der nur so?

6. August weiter in Santander

Wir liegen weiter in der kleinen Bucht in der Stadt vor Anker, fahren mit dem Beiboot zum Kaffeetrinken und machen lange Märsche durch die Stadt, um die nötigen Lebensmittel ranzuschaffen. Wir duschen an Bord mit der Solardusche, springen nackt ins Wasser, waschen die Wäsche im Eimer und gebärden uns langsam wie echte Hippies. Das Duschen gefällt mir so eigentlich eh besser als in den immer etwas modrigen Grotten in den Marinas. Als der Wassertank leer ist holen wir in Eimern und Töpfen Süßwasser am Strand. Das ist langsam ein bisschen unpraktisch. Zum Essen gibts dennoch weiter Leckeres: Kalbsgeschnetzeltes, reifen Tomatensalat und Flan mit frischen Nektarinen oder Risotto mit Kokosmilch und Meeresfrüchten. Hunger ist eigentlich immer groß und die Bäuche werden langsam eher dicker. So anstrengend ist das mit dem Segeln dann doch nicht. Wir machen einen Ausflug mit einem Mietauto ins benachbarte Baskenland. Nach Lekeitio, sehr schöner Ort, leckere Tapas und zuviel alkoholisches Getränk. Dann ein mieser Regentag, an dem wir erst Mittags aus dem Schiff kriechen, alles ist nass und kalt und trotzdem mutig ins Wasser gesprungen und unter die Dusche, brrr. Ein Ausflugschiff fährt vorbei, mit Lautsprecher wird den Ausflüglern etwas erzählt, dass ich nicht verstehen kann, aber ich denke mir, dass der Fremdenführer ins Mikrofon spricht: das da links sind Hippies, die frieren jetzt im Regen und führen ein Lotterleben und haben ihre Arbeit gekündigt und das haben die jetzt davon. Ich glaube, es wird Zeit, dass wir wieder weitersegeln.

In der Stadt 5. August Santander

Wir haben uns weiter in die Stadt verlegt. Ein Versuch beim lokalen Real Club Nautico de la Vela, wo wir nette Bekanntschaften machen und Wasser auftanken, dann aber bei 55 Euro pro Nacht Liegegebühr doch das Ankern vor der Hafenpromenade vorziehen. In der Stadt ist es sehr schön, viele gute Bars, leckere Tapas. Dem Matrosen wachsen langsam ein paar Muskeln vom Ziehen an den Schoten und am Anker... Bloß nicht schanghaien lassen.

Matrose auf Landgang Santander 5. August

6. Bis 8. August Ribadasella

Endlich schneller Ostwind und wir rauschen weiter. Den ganzen Tag unter Spinaker bei 5 Bft. Ich mache wieder die Laus am Spibaum, gewaghalsigt. Wir fahren näher an der Küste, die märchenhaft schön ist, ganz grün, Hügel mit Kühen, am Ufer schroffe Felsen und hinter allem im Nebel tauchen immer höher die Berge auf, Picos de Europa, über 2000m. Das ist ein Traumland, wie Oberbayern nur am Meer. Gegen Abend lässt der Wind nach. Ribadasella liegt hinter zwei Felsvorsprüngen geschützt, Strand und dann in die Flußmündung hinein. Eigentlich sollte man an der Mole festmachen, was heißt: Leinen lang und hin und her und rauf und runter mit Flut und Ebbe. Ein paar nacktbäuchige spanische Kneipensegler, die wie eine Horde Gorillas auf ihrem Schiff hängen, versuchen uns zu erklären, dass der Hafen gegenüber Schwimmstege auch für Gäste hat, angeblich frei. Erst glauben wir den Gorillas nicht recht, aber eine höfliche Crew vom Ort mit Bärten und in deutlich hübscherer Bekleidung zeigt uns den Weg durch den Sand. Tatsache: toller Steg mit allem drum und dran, nur Kaution für den Schlüssel, sonst nichts, drei Nachte kann man bleiben. Alle sind superfreundlich, die Berge gleich hinter dem Ort und Abends viel los auf den Straßen. Hier trinken auf einmal alle Sidra, der hier wie in England trüb und ohne Sprudel kommt, dafür aber vom Kellner aus dem emporgestreckten Arm in das Glas gegossen wird, das er tief in der anderen Hand hält. Der Kellner schaut dabei irgendwie fanatisch ins Leere. Die ganze Prozedur, bei der die gelbe Brühe ins Glas plätschert, wirkt leicht obszön. Die Anhänger des Sidra-Ordens trinken jedoch unerschrocken ein Glas nach dem anderen. Das Essen ist einfach und lecker, Pulpo, Wildschweinwurst und gebratener Bonito. Irgendwelchen Schnickschnack darf man nicht erwarten: du hast Tintenfisch bestellt, also bekommst du Tintenfisch, kleingeschnitten und gekocht und Kartoffel, aus. Du sagst Thunfisch, also kriegst du Thunfisch, eine Scheibe, gebraten, Punkt. Kein Carpacchio von Pulpo und kein Sushiunsinn, kein Schaum und kein Bett, kein gehobeltes Zeugs und der Koch verziert auch nicht alles wie wild mit seiner Balsamicosoße. Dennoch wünschen wir uns jetzt schon wieder fast in die französischen Restaurants zurück, wo die Speisekarte lyrisch und unverständlich war und uns mit sanftem Akzent Versprechungen zuflüsterte, die eine Vorahnung unbekannter Genüsse heraufbeschworen. Und die Erfüllung all dessen nahm mit dem Entree erst seinen Anfang. Jetzt Pulpo, Bonito, zack, das Essen wird genannt wie es heißt und es ist drin was draufsteht. Totzdem: alles frisch, alles Meer. Neben uns legt ein Ende 60 jähriger Brite an mit einem schönen alten Boot mit roten Segeln, recht klein und viel Holz, der Rumpf ist auch rot. Er segelt allein erzählt er, manchmal mit Crew, die er über eine Internetbörse findet. Er kommt aus Essex. Im letzten Jahr ist er die Südküste Englands entlanggesegelt und in diesem Jahr ist er jetzt bis Ribadeo gekommen. Es sei schwierig, Crew zu finden, sagt er. Auch er freut sich über den schönen Platz. Am nächsten Tag locken uns die Berge, wir können keine Karte auftreiben also wieder selber los mit unseren Multifunktionsklapprädern. Die Berge hier sind genauso steil wie in Oberbayern und die Kühe sehen auch genauso aus. Bloss die alten Häuser sind ganz anders, auf Stelzen und mit breiten tellerförmigen Steinen an den Ecken, als wollten die Menschen verhindern, dass von unten etwas heraufkletterte, Mäuse oder andere Tiere? Die Straße führt am Ausgang eines Ortes auf einmal durch eine Tropfsteinhöhle, no toccar las stalagtitas y stalagmitas! Schließlich landen wir erschöpft an einer alten Kapelle auf einem Berg und verbeißen uns sogleich in die leckeren mitgebrachten Schinkenbrote. Danach weiter hoch und runter zurück zum Ort und zum Strand, wo wir eine Frau treffen, die wie ein Wasserball aussieht und einen Dinosaurier, der unbedingt ein Dolomiti-Eis haben will. In den Felsen sind versteinerte Spuren gefunden worden von verschiedenen Dinosauriern und wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass nicht noch einer dieser Dinosaurier oben in den Bergen lebt. Der kommt vielleicht auch mal zum Strand und als er den Kiosk und die Wasserballfrau sieht bekommt er eine unbandige Lust auf ein Dolomiti-Eis, das er noch von früher kennt. Er stellt sich am Kiosk hinter der Wasserballfrau an und wartet, bis er an der Reihe ist. Ich möchte bitte ein Dolomiti donnert er, als er endlich drankommt. Ein was bitte? Dolomiti? Haben wir nicht, das gibts schon lange nicht mehr, wir haben Goodzilla, Cola-Jet und Flippifloppi. Flippifloppi? Donnert der Dinosaurier aus den Bergen, was soll das denn, klingt wie so ein neumodischer Quatsch für Flugsaurier, ich will ein Dolomiti! Inzwischen wird dem Saurier klar, wo sein großer Hunger auf Dolomiti-Eis herkommt: die Wasserballfrau trägt ja einen Badeanzug in genau denselben Farben wie das Dolomit-Eis. Probehalber hält er die Wasserballfrau an ihren stöckchendünnen Beinen hoch und schleckt ein paarmal an ihr. Uggh, das schmeckt aber überhaupt nicht wie Dolomiti-Eis! Erschrocken lässt er die Wasserballfrau fallen und grunzt in den Kiosk: dann gib mir eben ein Goodzilla! Bevor unser Dinosaurier noch mehr Unsinn treibt begeben wir uns lieber in den Schatten und nehmen ein kühles Getränk zu uns. Ah, schon besser, der Dinosaurier ist weg.

9. August Ribadasella nach Gijon

Bei schwachen Winden machen wir uns auf den Weg nach Gijon und motoren meist. Dort ein schöner Hafen direkt in der Stadt, Kinder springen von der Mole ins Wasser, wir landen in der Marina, alles ok, endlich wieder Haare waschen. Dann Einkaufen und in die Stadt wo alles auf den Beinen ist. Eine Volksversammlung, alle stopfen sich die Bäuche voll. Wir bekommen gerade noch etwas ab. Einen Steg weiter liegt das amerikanische Schiff, das wir vor zwei Tagen gesehen haben. Ein älterer Typ mit weißem Bart drauf, der schon sehr entspannt spricht, erzählt, er sei mit seinem Sohn unterwegs, sie sind tatsächlich in den USA losgesegelt, ursprünglich, durch den Pazifik, Tonga, Bonga, Bunga? Jedenfalls dann hierher und im Herbst oder Winter wollen sie zurück. Sie sind seit 4 Jahren unterwegs, sagt er. Er wohne in der Achterkajüte, sein Sohn vorne in der Hauptkajüte, otherwise we would have killed each other by now sagt der Mann, der Gerald heißt. Das Boot ist winzig verglichen mit den Nachbarn und sieht auch aus, als sei es schon sehr lange unterwegs. Servicestau nennt Kelly das. Der Rumpf ist in einem verblichenen grün und das ist sehr schön. Vater und Sohn haben sicher genau so viel erlebt wie das Boot und das muss eine Menge sein.

10. August Gijon nach Ribadeo

Weiter sehr schwacher Wind. Wir starten früh, die Straßen sind noch verschlafen nach der letzten Nacht. Frühstück gibts unterwegs bei Ausfahrt aus dem Hafen. Der Morgen ist kühl, hell und neblig, wir sehen die Mole kaum bei der Ausfahrt. Am Vormittag zieht sich der Nebel zurück und schränkt nur noch den Horizont rundum ein. Plötzlich paddeln im Wasser lauter kleine Krebse, die wild mit den Armen rudern, meilenweit ist alles voller Krebse! Was machen die denn hier? Ich kann einen mit dem Kescher fangen, er kommt in den Eimer mit Wasser. Dann gibts erstmal ein Stück Wurst für den Krebs, damit er gestärkt ist für die weitere Reise. Zuerst hat der Krebs Angst vor der Wurst, aber dann macht er sich doch gierig drüber her. Danach Zurück ins Wasser, hasta luego. Es ist weiter kein Wind und wir beginnen uns lauter Unsinn auszudenken. Die Angel angelt nur Müll aus dem Wasser und Ribadeo kommt nicht näher. Plötzlich sitzt ein kleiner Vogel auf der Reling so groß wie ein Zaunkönig und klammert sich erschöpft fest und ruht sich aus. Wir bieten ihm Wasser an, das mag er aber dann doch nicht. Nach einer Verschnaufpause fliegt er weiter, Richtung Land. Am Abend versuchen wir, in Tapia anzulegen, ein kleiner sehr schöner Ort, Mole mit Kran, viele kleine Fischerboote, eine Yacht liegt vor Anker mit dem Heck zur Mole. Der ganze Hafen ist ziemlich offen, draußen zur Zeit aber kaum Schwell und kein Wind. Im hinteren Teil des Hafens Felsen, es wäre nur Platz direkt am Eingang an der Mole. Dort dann doch zu unsicher und wir entscheiden uns, weiter zu fahren. Also gibts Essen an Bord, lecker Tortellini mit Spinatgorgonzolabirnensoße, frische Tomaten. Spät Abends um 23:00 kommen wir dann mit dem letzten Licht in Ribadeo an, noch kurz ein Tonic an der Bar, dann schnell ins Bett.

Neue Einnahmequellen

Langsam entwickeln wir Pläne, wie wir unseren Lebensunterhalt auch unterwegs verdienen können. Ich fordere in den Bars Männer zum Armdrücken heraus und schließe vorher hohe Wetten ab, mit meinen neuen Muskel besiege ich die überraschten Kerle dann im Handumdrehen. Kelly übt schon tollkühne Akrobatik auf dem Klapprad, die sich gut auf Markplätzen vorführen lässt. Zum Beispiel das Rad nach und nach während des Fahrens zusammenzuklappen und immernoch in halsbrecherischem Tempo über den Platz zu radeln. Wir sind zuversichtlich, dass es für den Bausparvertrag reicht - und was will man mehr?

13. August Viveiro nach La Coruna

Lange und zähe Strecke gegen den Wind nach La Coruna. Zuerst noch gut Wind und tolle Felszacken, dann wenig Wind und kreuzen. Abends spät Ankunft in LaCoruna, wo wir Werner Fuchs treffen, der einige Tage mitfahren wird.

15. August La Coruna

Bei starkem Wind aus Südwest (bis 35 knoten) und Wellen bis fast 4m Höhe sitzen wir erstmal in La Coruna fest. An eine Rundung des Cap Finisterre ist bei diesen Bedingungen nicht zu denken. Unser Meteorologe Herr Dr. Kühnlein in München rät uns dringend von der Weiterfahrt vor Freitag ab. Das europäische Wetteramt meldet "also ich würde da jetzt nicht rumfahren!". Das nehmen wir ernst. Mit Werner machen wir eine kleine Runde in der Bucht von La Coruna und lugen kurz aus der Bucht. Die Wellen sind hoch, geschätzt vier Meter als wir die Bucht kurz verlassen. In Böen bis 35 knoten Wind, stimmt alles. Kellys Kappi fliegt vom Kopf und wir fahren ein rasantes Kappi-über-Bord Manöver. Gar nicht so einfach, das Ding im Auge zu behalten, zweimal verlieren wir es, der geniale Steuermann findet es wieder, wir nehmen das Besatzungsmitglied wieder sicher an Bord, bzw. auf den Kopf. Auf dem Rückweg erwischt uns eine Bö, der Wind nimmt zu, also Reffen. Dann in den Hafen zurück. War sehr gut, alles einmal bei mehr Wind auszuprobieren, alles sicher und ok, aber die Capumrundung können wir so ebenso sicher erstmal vergessen. Unterwegs ist doch etwas Wasser reingelaufen, Stromkabel und Ladegerät waren nass, die Sicherung des Stromkastens am Steg fliegt erstmal raus. Oh bitte nicht wieder Probleme mit der Bordelektrik! (die besteht aus einem großen wilden Kabelknäuel hinter dem Sicherungskasten, auf dem in schwedisch Dinge stehen, die dann nicht passieren wenn man die jeweilige Sicherung einschaltet, dafür passiert etwas anderes). Bei Problemen machen wir uns dilettantisch mit dem Spannungsmesser auf die Suche nach dem Strom, der manchmal da ist, wo man ihn nicht vermutet und wohl auch ein bisschen im Boot herumkriecht. Die essentiellen Dinge wie Instrumente, Selbststeueranlage und Kühlschrank funktionieren irgendwie immer erstaunlich gut. Nach Trocknung und viel Gestöpsel geht zum Glück alles wieder. Yuppie, kein wutentbranntes Ringen mit den Stromkabeln und vor allem: das Ladegerät geht noch, puh.

17. August La Coruna - Muxia

Endlich geht es weiter, wir legen um 9:00 ab Richtung Südwest, der Wind kommt auch mal wieder aus derselben Richtung. Anfangs erst wenig Wind, dann 25 Knoten, in Böen 30 (7 Bft). Immer schön am Wind, immer schön schräg. Am ersten Kap eindrucksvolle Felsen und Böen. Cap Finisterre ist dann gar nicht mehr so wild, aber schön und majestätisch. Am Wind segeln ist wirklich anstrengend, das Haus hängt schief und irgendwann wirds auch nass und kalt. Wir sind alle froh, nach 9 Stunden in Muxia anzukommen. Dort treffen wir eine Barbesitzerin, die perfekt Schweizerdeutsch spricht und unternehmen einen Abendspaziergang auf ihren Lieblingshügel, der in ihrer Bar als Ölgemälde verewigt ist, inklusive Parkplatz und R5s. Im letzten Glitzernden Licht sehen wir eine Kirche und runde Felsen.

Zur Zeit leider unregelmaessig Fotos

Leider können wir zur Zeit kaum Fotos laden, das habt ihr sicher schon gemerkt. Die Seite hier ist nur improvisiert und unsere Ausstattung nicht für dauerhaften sicheren Internetsupport geeignet. Wir kämpfen manchmal schon, den Wetterbericht zu laden. die Fotos geraten alle durcheinander und es ist grosse Gluecksache, welche hier landen. Also Entschuldigung, leider zur Zeit kaum Bilder aber es wird wieder anders hoffe ich.

18. August Muxia - Muros

Bei blödem Regen ein Tag Pause. Wir wandern zum nächsten Ort und verbringen den Tag mit Kickerspielen und Billard.

20. August

Abfahrt in Muros, wir wollen diese Nacht ankern. An der Isla Ons trauen wir uns nicht, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, die Erlaubnis, dort zu Segeln oder gar zu Ankern scheint ein ewig kompliziertes Unterfangen. Nach mehreren Anrufen und Emails geben wir auf. Bei wenig Wind und schönem Wetter gehen wir in einer Bucht am Festland (Ria de Aldan) vor Anker. Neben dem kleinen Strand ist eine Felshöhle im Wasser, die zur Erforschung herausfordert, es werden jedoch wenig spektakuläre Forschungsergebnisse erzielt. Wir spielen Frisbee am Strand und springen ins Wasser, endlich mal wie es sich für ordentliche Arbeitsverweigerer gehört.

21. August bis 23. August auf die Islas Cíes

Naturschutz hin oder her, die Papiere sind sehr kompliziert, sämtliche Daten übermittle ich per Telefon (Namen unserer Haustiere, Größe der Unterhosen meiner Großmutter), um dann kurz vor dem Abend zu erfahren, dass wir die Papiere persönlich in Noia zu den dort geltenden Öffnungszeiten im Büro des Nationalparks beantragen müssen. Vor der Insel ankert aber munter eine ganze Schar von ausländischen Booten. Wir entschließen uns auch zu bleiben. Ich frage ein britisches Boot, die Besatzung klärt uns auf, für Ausländer ankern erlaubt ohne Permiso. Also. Die Insel ist wunderschön, tropisch, waldig, toller Sand, duftet nach Eukalyptus und Pinien. Obwohl mit der Fähre massenhaft Menschen aus Noia abgeladen werden, deren Unterhosengrößen auch unbekannt bleiben, ist es etwas abseits leer und traumhaft schön. Wir steigen auf den Berg, wo die Steine im Abendlicht leuchten und man weit aufs Meer sieht. Dort steht ein Leuchtturm. Im Campingplatz decken wir uns mit ein paar Vorräten ein. Am nächsten Tag lassen wir uns weiter auf die Nachbarinsel treiben, dort ist es wilder, wir versuchen das Landesinnere zu erkunden, erst geht es durch einen Dschungel aus Eukalyptus, Ginster, Brombeeren, scheitern aber bald an den stachligen Ginsterbüschen. Zurück am Ufer ergänzen wir unsere Ernährung um ein paar Meeresschnecken, schönes Abendessen an Bord in der Bucht. Nachts zum Glück wenig Wind und der Platz hält.

24. August nach Viano do Castello - Portugal!

In Portugal! Leichter Schlag, schöne Stadt. Die portugiesischen Konditoren werden sogleich unsere Freunde.

25. August Aufbruch nach Porto

Wieder Wind gegen an, 20 bis 25 kn. Dann noch etwas mehr. Und Regen. Die Crew ist nicht begeistert. Ein Mitglied hat die Seekrankheit erwischt. Ich versuche zu steuern, dann wird mir nicht übel. Dabei werde ich aber immer nasser und mir wird langsam kalt. Trotz warmer Pullover unter dem immer noch perfekt dichten Ölzeug. Die Wellen sind nicht sehr hoch aber eckig und Frau Pfeffer stampft geduldig rauf und runter. Alles nass, kalt, die Crew zum Teil seekrank. Nach etwa 20 Seemeilen suchen wir nach einem Ersatzhafen. Die selbe Windstärke ohne Welle oder auf einem angenehmeren Kurs wäre wohl kein Problem gewesen. Aber so wird es uns zu unangenehm. Der Kapitän findet Povoa Do Varzim als Ausweichhafen. Dort ist die Einfahrt bei Ebbe sehr flach und zum Teil sandig. Navigation bei einem Kranken und Wellen etwas eingeschränkt. Dann Einfahrt ok und gut hineingekommen. Noch kleines Missverständnis mit einer Untiefentonne, aber gutgegangen. Im Regen verkriechen wir uns erstmal ins Bett. Später Essen in einem skurrielen Restaurant an der Marina, um uns ein Schiffspark, teils -Friedhof. Die Innenstadt dann am nächsten Morgen bei Sonnenschein und aufgeräumter Crew sehr schön, köstliches Frühstück, die Teilchen der Konditoren wieder sehr zu loben.

25. August Porto

Unser Hafen liegt an der Flussmündung des Douro, von dort nehmen wir am späten Nachmittag einen Wasserbus zum anderen Ufer und dann eine uralte Tram in die Stadt. Das kleine Boot, das uns übersetzt hat einen wunderbaren alten Motor, der ein unglaublich tiefes beruhigendes Gurgeln von sich gibt. Er klingt wie irgendein lebendes Wesen aus der Vorzeit. Die Tram fährt direkt an den Auslagen der Läden,an gedeckten Tischen und offenen Fenstern vorbei. Die Stadt umschließt den Fluss, drei Brücken verbinden die Teile der Stadt, die sich wild an die Hügel schmiegen. Viele Häuser sind leer, verfallen, manche sind schon vollständig zusammengefallen. Die Reste der Mauern sind mit lila Blüten der Schlingpflanzen überwuchert. Auf vielen verfallenen Häusern sind Gärten angelegt, Bohnenstangen, Gemüsebeete. Die Stadt ist finster und arm. Es scheint sich vieles dauernd zu verändern, es herrscht eine aufregende Unordnung. Wir klettern die Stadt hinauf. Oben tolle Aussicht über den Fluss. Eine Statue mit Pferd und gepanzertem Reiter. Das Pferd blickt mit weit aufgerissenen Augen und offenem Maul. So als sähe es alle Verbrechen der Stadt, alles Böse auf Einmal. Es ist von furchtbarem Entsetzen erfasst. Auf der Mauer zum Fluss halten wir zu dritt ein kleines Picknick mit Portwein und Käse. Danach lädt uns Werner sehr schön zum Essen ein, sehr lecker und wunderschöne Aussicht, eine Band spielt und die Portugiesen lassen sich immer mehr anstecken und singen. Neben der Marina gibt es ein neues öffentliches Waschhaus mit Granitbecken. Zwei Frauen waschen dort ihre Wäsche wie wir es nur noch aus dem Märchen kennen. Danach kommt die Schüssel mit der Wäsche auf den Kopf. Die Zeiten vermischen sich und die Gegensätze bleiben gegenüber stehen.

26. August bis 27. August Überfahrt Porto nach Lissabon

Werner verlässt uns am 26. August in Porto. Schade, war sehr schön zu dritt von La Coruna bis hier. Wir frühstücken gemeinsam mit den Omis und Opis beim Bäcker des Wohnviertels das neben der Marina liegt. Dann suchen wir schnell nach einem Supermarkt, der uns mit den nötigen Vorräten für die Weiterfahrt versorgen soll. Nach langem Marsch durch die Stadt finden wir einen riesenhaften Supermarkt. Toll, hier gibt es sogar Feuerlöscher. Der englische Seenotretter wäre stolz auf uns. Plötzlich mitten im Supermarkt schreckt Kelly zusammen, was stinkt denn hier so, bäh, es packt ihn starker Würgereiz, das ist Verwesung! stösst er mit letzter Kraft hervor. Nein, das ist Stockfisch! Schön aufgestapelt zum Verkauf angeboten. Wir halten die Luft an und rennen vorbei. Wir treffen bei schönem Wind Abends ein holländisches Boot (die Ile du Nord) das wir überholen. Wir machen Fotos und nehmen per Funk Kontakt auf, die Holländer sind sehr nett und fotografieren uns auch. Wir lassen sie schnell stehen und rauschen weiter. Am nächsten Tag Abends in Lissabon, Doce Alcantara, ziemlich in der Stadt.

Lissabon

Zunächst sind wir ein bisschen enttäuscht, finden Lissabon viel weniger aufregend und schön als Porto. In die schönen Stadtviertel ist es dann doch eine Ecke. Radtouren am Tejo entlang und dann in die Stadt sind aber sehr schön. Abends ist viel los, wir quälen die Räder und uns zum Aussichtspunkt hoch, toller Blick über die Stadt, dort sehr noble Tapas, die Kellnerin versteht nicht, warum wir so viel essen wollen. Später in einer netten Bar. Wir besuchen dasSchiffahrts und Entdeckermuseum, oder wie Kelly es nennt das Räubermuseum. Wir rasen mit den Klapprädern die engen Gassen entlang. In Lissabon wird uns klar, wie anstrengend es ist, immer weiterzufahren. Wir sind schon seit einiger Zeit nicht mehr länger als ein paar Tage an einem Ort geblieben. Die letzte Zeit sind wir ausgenommen der vier Nächte in La Coruna immer sehr schnell von einem Ort zum nächsten gefahren. Das schlaucht irgendwie sehr und zehrt einen aus, die Neugier wieder eine neue Stadt zu erforschen, nimmt ab. Der Wunsch nach einer längeren Zeit an einem Ort wird wichtig. Ausserdem haben wir gelegentlich Geruchshaluzinationen nach Schweindbraten. In Lissabon bleiben wir zwei Nächte, dann legen wir ab und fahren den Fluss hinunter nach Cascais, einem Vorort von Lissabon. So können wir Abends mit der Strömung fahren. In Cascais ist ein guter Ankerplatz.

30. August Cascais nach Sines

Mit Wind aus Nordwest machen wir uns auf die 50 Seemeilen nach Sines zu fahren. Mit Spinnaker geht es schnell und gut. Zuerst noch sehr glücklich. Der Wind nimmt jedoch zu und erreicht über 25 Knoten. Das Boot wird schwieriger zu steuern, wir donnern die Wellen herunter. Als wir uns rasch entschließen, zu bergen zeigt der Windmesser 28 Knoten. Für die Spimauslaus vorne eindeutig zu viel. Irgendwie bringe ich das Segel runter, mit sehr viel Gekreisch und Fluchen, um mir Mut zu machen. Das war zu viel Wind zu zweit mit Spinnaker. Eine Nacht in Sines. Wir tanken mal wieder. Der 18 PS Motor verbraucht nur winzige Mengen an Diesel, etwa eineinhalb Liter auf eine Stunde.

31. August Sines - Cabo Sab Vincente - Sagres

Bei wunderschönem Wetter geht es am Kap vorbei, eigentlich wollten wir noch weiter, entschließen uns dann aber doch, in der Bucht vor Sagres zu ankern. Dort treffen wir die Holländer wieder. Die beiden haben zwei Kinder dabei, wir tauschen Höflichkeiten, Kaffee und email. Sagres ist schön, kleiner Strand mit Felsen drumrum. Wir gehen in einem schickeren Strandrestaurant essen. Bestellen Burger. Es kommen zwei rundliche flache braune Dinge, die meinen Badelatschen zum verwechseln ähnlich sind. Auch der Geschmack könnte passen. Ich bin kurz davor, meine Schuhe auf den Teller zu legen und die Buletten unter die Füße zu schnallen. Na, wieder mal mit Menu Touristico reingefallen. Dabei hatte meine Tante mir streng verboten, jemals in meinem Leben Menu touristico zu essen. Am nächsten Tag nimmt der Schwell zu und wir können kaum noch mit dem Beiboot anlanden.Eine Welle schwapp, das ganze Beiboot voll, Einkäufe, Schuhe, alles durcheinander. So muss das bei den Eroberungen gewesen sein, durch die Brandung zu kommen. Der Wind soll zunehmen, also fahren wir den Holländern hinterher nach Alvor, eine riesige Flussmündung kurz vor Portimao.

1. bis 4. September in Alvor

Die Lagune läuft bei Ebbe zum Teil leer. Zuerst ankern wir kurz hinter dem Eingang zur Bucht. Eine riesige natürliche Lagune. Am nächsten Tag fahren wir vorsichtig durch die Sände immer im Priel zum kleinen Ort am Ende der Lagune. Hier ist es wunderschön, leckeres Essen (endlich mal wieder italienische Pizza, wir essen gleich zwei Abende dort und sind begeistert). Die Schweinsbratenhaluzinationen nehmen sofort ab. Im Sand kann man sehr gut Muscheln sammeln, mit weißem Portwein und Zitronenschale in Butter gekocht sehr lecker. Morgens ein schöner Pfad am Fluss entlang, ein bisschen langsames Jogging, ohje, schon lange nicht mehr bewegt. Aber hat gutgetan. Danach Frühstück in einem herrlichen Café, uraltmodisch. Süsse Teilchen, Toast, Orangensaft frisch und leckerer Kaffee, toll. Die Theke aus Stahl, Stühle aus den Fünfzigerjahren. Der Senior an der Toastmaschine ebenfalls veraltet, die Toasts fliegen aber nur so.

4. September nach Rota

Es geht weiter. Wir tasten uns vorsichtig bei auflaufendem Wasser durch die Sandbänke. Dennoch mitten im Fahrwasser kurz auf Sand aufgelaufen, mit Motor kommen wir zum Glück schnell wieder frei. Am 5. Serptember Ankunft in Rota, bei Cadiz. Dort schrubben wir das Boot, wechseln das Öl und die Filter. Entlüften, dekomprimiert, Kraftstoffleitungen auf, Diesel spritzt, alles der Reihe nach zuschrauben, dann komprimieren, Hebel runter, Motor springt an! Toll. Abends am 6. September kommt Meike an Bord.

8. September mit Stefan, Ori, Marina und Daniel in Santi Petri bis 9. September

Superschöner Tag mit leichtem Wind mit allen gesegelt, danach am Strand. Lecker gegessen, abends auf dem Schiff, am nächsten Mittag in einer Strandbar. Leckere winzige frittierte Fischchen, Kartoffelsalat, Tortillas, Croquetten, Salatund viel mehr. Es war sehr sehr schön, Ori Stefan und Marina und Daniel wiederzusehen.

9. September nachmittags weiter nach Tarifa bis 10. September

Es geht weiter, eigentlich nach Barbate. Unterwegs eine Änderung im Wetterbericht, es soll Ostwind kommen, deshalb beschließen wir weiterzufahren nach Tarifa um den Westwind zu nutzen und nicht in Barbate hängenzubleiben. Um Mitternacht Ankunft in Tarifa, wir ankern im Mittelmeer! Auf der anderen Seite der Halbinsel der Atlantik. Letztes Jahr waren wir mit vom Land aus hier. Es ist sehr schön, hier mit dem Schiff anzukommen. Wir essen wieder bei den vegetarischen Mädels am Stadttor. Sehr lecker. Am nächsten Tag Pause am Strand, dösen in Wind und Sonne, angenehm kühle Luft und wunderbare Aussicht nach Afrika. Nachts keine Flüchtlinge getroffen.
 
Tarifa

11. September Straße von Gibraltar

Weiter durch die Straße von Gibraltar. Strömung gut. Zuerst mit Spi bei wenig Wind schön dahingerauscht, dann mit Motor. Der Felsen zieht an uns vorbei mit seinem Nebel, der extra für die Engländer da ist. Wir beschließen weiterzufahren, scheuen die Formalitäten der Insel. Aber vielleicht hätten wir unseren Bordaffen auf in Gibraltar abgeben können. Es handelt sich um ein großes ungeschicktes Tier mit vielen Haaren, die immer überall hinfusseln. Der Affe ist Tags nie zu sehen und versteckt sich auch sonst, Nachts isst er heimlich Sachen aus dem Kühlschrank, navigiert ein bisschen herum und macht Unordnung. Vielleicht hätte er sich mit den Gibraltesischen Kollegen angefreundet und uns verlassen. So fürchte ich bleibt er uns weiterhin. Abends sehen wir Wale, die im Sonnenuntergang eine kleine Vorführung machen, sie ziehen langsam durchs Wasser, tauchen ab und auf, ein paar Mal springen sie ganz aus dem Wasser. Wow. Danach besuchen uns auch noch Delfine, die ihre Faxen machen. Zur Krönung fangen wir einen Fisch (der erste, wir sind wirklich keine guten Angler), einen kleinen Thunfisch den wir als Sushi mit Zitrone essen, mmh. Marbella ist bis auf die Altstadt eher hässlich, der Stadtrat wurde vor einigen Jahren wegen Korruption und Unterschlagung aufgelöst, die Bürgermeisterin im Gefängnis, hier tummeln sich Stars und Sternchen mit den Bauunternehmern.
 
Kleiner Fisch

12. bis 13. September von Marbella nach Almeria

Ohne Wind legen wir Mittags von Marbella ab. Drei kleine Wale zeigen sich, sie Sind ungewöhnlich aktiv, einer springt hoch aus dem Wasser, bis er ganz in der Luft ist und taucht mit dem Kopf zuerst wieder ein. Sie tauchen ein und aus aus dem Wasser, wir hören sie schnaufen. Einer der Wale hat ein Tau oder etwas ähnliches um die Schwanzflosse, das er anscheinend nicht mehr los wird. Ein Motorboot mit Menschen, die die Wale anschauen fährt recht dicht dran. Es ist ein Wunder, dass die Wale hier überhaupt noch sind bei den vielen Booten, die Fischer fangen ihnen die Fische weg, alle glotzen sie an. Nachmittags kommt eine leichte Brise, mit Spinnaker geht es leicht und angenehm weiter. Gegen Abend schläft der Wind wieder ein. Eine Plastikflasche treibt vorbei. Auf ihr sitzt gelassen ein Vogel, der sich auf seinem Schiff nach Westen treiben lässt.

Nachtfahrt nach Almeria

Bisher war es immer anstrengend, Nachts durchzufahren. Es war kalt, nass und irgendwie unheimlich. Jetzt sind wir mit Meike zu dritt, das macht alles schon viel angenehmer. Diese Nacht ist sowieso anders, warm, schön, wunderbar. Gegen elf, Kelly und ich sind gerade ins Bett, sieht Meike Delfine im Dunkel, ich höre sie neben mir am Bug aus dem Wasser springen und wieder eintauchen, ich schaue aus der Luke, die Delfine werden von unserem Licht rot und grün beleuchtet. Wieder im Bett höre ich sie noch eine Zeitlang neben mir. Später als ich Meike ablöse leuchten die Sterne und es leuchten runde Dinge im Meer, auch das Meer selbst leuchtet dort, wo es am Schiff Wellen schlägt. Wie kleine Laternen treiben grünlich leuchtende Quallen oder andere Meeresbewohner vorbei, auch ein Stück weiter weg vom Schiff leuchten sie. Wahrscheinlich findet unter uns gerade ein Plankton-Fest statt, alle tummeln sich im matten Licht, funkeln, flirten und vergnügen sich. Von oben sieht das märchenhaft schön aus. Sterne oben Plankton unten, what a wonderful world.
 
Morgens vor Almeria schöner Wind

Kelly dreht durch!

Oh je. Kelly dreht durch. Er hat wohl den knapp verpassten Sieg in der WM nicht verkraftet. Was macht er denn jetzt im Trapez??

Almeria

Almeria ist viel schöner als gedacht. Abends in einer sehr marokkanischen Gasse schaue ich auf ein beleuchtetes Denkmal in Riesengröße oberhalb der Stadt, frage die anderen was das wohl sein kann. Ein Passant, ein Typ mit Augenklappe und eher wildem Blick schaut mich an, sagt "es la corazón de Jesu" oder so, er zieht sein linkes Hosenbein hoch "mira, es este, el corazón de Jesu". Auf dem Unterschenkel kommt ein prächtiges Tattoo zum Vorschein, das das Herz Jesu in allen Farben darstellt.

14. September Almeria nach Cabo de Gata - Playa del Corralete

Nachmittags nach Stadtrundgang und Bar an einem schönen Platz fahren wir los und ankern unterhalb des Leuchtturms an der Landspitze des Cabo de Gata.

15. September weiter Cabo de Gata - Playa de los Genoveses

Das Naturschutzgebiet ist wohl aus Vulkangestein, es sieht aus wie auf dem Mars oder in einer Wüste. Die Felsen gehen in Strände und ins Meer über, teils schroff, teils als Sandstrand. Bei genauem Hinsehen und bei einer kurzen Landexpedition auf sehr heissem Sand zeigt sich, dass doch etwas wächst, tolle Wüstenpflanzen, die der Hitze und Trockenheit die Stirn (bzw. das Blatt) bieten. Die Expedition endet zunächst abrupt, als unsere unbeschuhten Füße auf dem schwarzen Sand zu qualmen beginnen und wir zum Wasser zurück rasen, die Füße schleudern wir dabei in die Luft. Es zischt fast, als wir sie ins Wasser halten. Um das Schiff schwimmen neugierige Fische mit schwarzen Punkten vor der Schwanzflosse, die sofort offen auf Kelly zugehen, als er sich die Taucherbrille aufsetzt. Kelly versteht die Fische nicht und sie ihn auch nicht, er macht einen Satz im Wasser, "Hilfe, die kommen alle auf mich zu!". Das Wasser ist wunderbar warm, klar und grün oder blau. Wir baden morgens schon zum Aufwachen. Es steht etwas Schwell in die Bucht, das Boot bewegt sich, als ob die Frau Pfeffer Lust hätte, wieder loszufahren. Wir setzen einen Zweitanker gegen das Schaukeln und schlafen an Deck, Sterne und leise Brandung.
 
Mit Meike in Cabo de Gata. Vielen Dank für die Fotos Meike!

16. September zurück nach Cabo de Gata und wieder in eine Bucht

Meike weckt uns mit einemKaffee, wow. Los gehts zurück zum Ort Cabo de Gata, von dort fährt sie mit dem Bus nach Almeria und dann ein anderer Bus und ein Flugzeug und weiter und weiter nach Hause. Es war sehr sehr schön mit Meike, lustig und so eine echte gute Seglerin war auch sehr angenehm. War ein bisschen traurig, sie zum Bus zu bringen. Verabschiedung war wirklich noch nie meine Stärke. Danach wieder zu zweit, erstmal kurze Gewöhnung, andere Stimmung und neue Funkwellen. Im Supermarkt stießen wir auf sehr trockenes Gemüse und auf sehr unfreundliche Leute. Überhaupt schien der Ort Cabo de Gata von einer marodierenden Cowboybande heimgesucht worden zu sein, die die Supermärkte plünderten und uns nur einige Konserven in den Regalen ließen. Danach zogen sich die Banditen auf ihren schnellen Pferden in die heiße baumlose Sierra zurück. Abends am Lagerfeuer essen sie dann leckere saftige Tomaten und frische Kräuter und kochen ein erlesenes Ratatouille aus all dem frischen Gemüse, das sie erbeutet haben. Uns bleiben wieder nur Nudeln mit Tomatensoße. Mittags gibts doch noch leckeren Salat mit Manchego und Caña de Lomo iberico von Ori und Stefan. Überhaupt, das riesige eingelegte Stück spanisches Schweinefilet, das sich wie eine Salami lange hält, aber schmeckt wie ein köstlicher Ausflug zu den schwarzen Schweinen in den Bergen nördlich von Sevilla, bereichert schon viele Mahlzeiten. Vielen Dank liebe Ori, lieber Stefan. Wir verlassen nachmittags den Ort und fahren wieder Richtung Cabo de Gata Nationalpark, die Küste entlang. Wir übernachten in einer weiteren Bucht, mit Castello und wunderschönem Sandstein, der die tollsten Formen annimmt. In der Dämmerung streicht ein kühler duftiger Wind von den Bergen, die Brandung gurgelt und kleine Vögel unterhalten sich von Nest zu Nest über dem Meer an den Felsen. Falls einmal nötig möchte man an diesen Ort zurück, um seinen Geist zu heilen.

18. September

Morgens geht es früh los. Wir fahren um 7:30 ab, es wird noch kaum hell. Es dauert, bis wir an dem vorgelagerten Industriehafen vorbeiziehen. Es gibt keinen Wind. Nach Wettervorhersage ist Wind aus Ost oder Nordost angesagt, 20 Knoten. Wir wollen nach Formentera, das wäre also wieder mal Gegenwind. Deshalb der frühe Start, um noch möglichst weit zu kommen, bevor der Gegenwind einsetzt. Am späten Nachmittag kommt etwas Wind auf, dann wieder glattes Meer.

Nachtfahrt Cartagena nach Formentera 100 Seemeilen

Abends Wind für einen guten Am-Wind-Kurs. Als es dunkel wird nimmt der Wind stetig zu. Bei 12 Knoten setzen wir das erste Reff, bevor Kelly ins Bett geht. Halb Zehn Abends, ich beginne mit der Wache, die Sonne ist längst untergegangen. 14 Knoten Wind, Kurs 70 Grad. Die Nacht wird dunkel sein, eine fast geschlossene Wolkendecke und Neumond werden nicht viel Licht durchlassen. Um mich tastet sich schon die Schwärze am Boot entlang. In Lee neben mir rauscht die helle Gischt, vorne am Bug kann man unsere Lichter erahnen. Es wird ganz ganz dunkel, keine Sterne, Himmel und Wasser sind untrennbar verbunden. Die Grenze zwischen Wasser und Luft wird nur erkennbar durch die Bewegungen des Bootes auf dem ich sitze, durch die hellen Wellen, die es in Lee macht. Die Instrumente leuchten matt, Speed, Tiefe, Windgeschwindigkeit, GPS-Kurs, Kompass. Das Boot liegt schräg, wenn ich mich im Cockpit oder an Deck bewege hake ich mich mit dem Lifebelt ein. Wenn ich jetzt rausfalle... hallo, stop, nicht dran denken, ich falle nicht raus. Also schön einhaken, keine Sperenzchen machen, alles etwas langsamer und sicherer tun. Ich bin wie eine Astronautin, um mich die Dunkelheit. Dann ist rechts vorne ein Licht zu erahnen, mit dem Fernglas etwas deutlicher. Bleibt es dort, schert es nach rechts aus? Ich peile über die rechte Want, warte ab. Nach einiger Zeit ist mit dem Fernglas ein grünes Licht zu erkennen, das andere Boot zeigt mir also seine rechte Seite, fährt rechts von mir. Ich sehe das Licht langsam nach rechts wandern, es fährt also rechts vorbei. Es ist kleiner als ein Fischer, deshalb nehme ich an, das es seinen Kurs beibehält und nicht anfängt, Kreise zu ziehen oder anderen Unsinn zu machen, mit dem einen die Fischer dauernd verwirren. Alles klar, das andere Boot passiert steuerbord. Noch ein Astronaut im Weltall unterwegs. Später in der Nacht dreht der Wind, ich kann etwas abfallen, die Segel ein Stück aufmachen. Dann hört der Wind fast komplett auf, dreht. Ich warte erst ab, ob der Wind wieder auffrischt, will schon den Motor starten. Das Boot wird langsam, der Wind kommt plötzlich von anderswo. Meine Orientierung Wind ist weg, das Boot reagiert so langsam, dass jede Kursänderung eine Weile braucht. Ich treibe in absoluter Dunkelheit, weiß nicht mehr, wo ich bin. Ein sehr blödes Gefühl und diese komische Nacht macht es nicht besser. Mit Kelly zusammen dann, der von meinem lauten Fluchen wach wird, Motor an und schnell den Kurs gefunden. Ich nehme die Fock runter und weiter gehts. Plötzlich schillern unsere Wellen im Dunkel, bei jeder Bewegung des Schiffs wird ein kleiner Sternenhimmel im Wasser ausgebreitet, Plankton! Meine Freunde! Jetzt hab ich zwar oben immer noch keinen Sternenhimmel, aber dafür gibt es im Wasser einen. Die Luft ist weich und warm und schmeichelt um mein Gesicht, sehr schön. Die Wassertemperatur zeigt 25 Grad, Kurze Hose und Pulli sind warm genug. Um 2:30 wecke ich Kelly, um 5:00 fahren wir zusammen in die Bucht auf der Westseite von Formentera. Die riesigen Yachten die hier in allen Farben und Formen beleuchtet halten wir erst für eine Industrieanlage oder ein Ölfeld.

19. September, Formentera, Los Trocados

Am Morgen wachen wir auf, Blick über die enge Landzunge auf die Ostseite der Insel, der frische Ostwind hat voll eingesetzt. Wir liegen ruhig, der Wind pfeift über uns. Dann springen wir ins Wasser, türkis, unten Wasserwellen im Sandgrund, schwimmen ums Boot und zum Anker. Danach eine Süßwasserdusche aus der Fünfliter-Flasche, herrlich. Um uns riesige Motor- und Segelyachten, eine, die am Nachmittag kommt, ist so groß wie ein Kreuzfahrtschiff. An Bord aber huschen nur ein paar Bedienstete umher, die sich um ein Beiboot von der Größe unseres Schiffes kümmern. Wieviel Liter Diesel wird die Yacht wohl in einer Stunde brauchen, 500 Liter, mehr? Am Heck dieser Monsteryachten sind meistens eine maltesische Flagge oder der Heimathafen Guernsey angezeigt, man könnte auch gleich ein Schild raushängen: ich bin ein armer Steuerflüchtling. Für so eine Yacht könnte man wahrscheinlich ein ordentliches Krankenhaus bauen und zwei dutzend Ärzte einstellen, mit Steuern. Trotzdem fühlen wir uns auch als kleine Schmotze mit unsere Yacht, Strand, Wasser, Sonne, Licht alles da.

20. September Treffen mit Robert und Heidi

Robert segelt morgens mit Heidi in Mallorca los um uns zu treffen. Nachmittags machen wir uns auf den Weg, ihm entgegen. Vor Tagomago treffen sich unsere Boote, Robert saust uns mit Spinnaker entgegen, dann gibt es ein schnelles kleines Rennen bei Sonnenuntergang zurück nach Formentera. Bei Dunkelheit tasten wir uns in die Bucht zurück an unseren alten Ankerplatz. Per Funk und Lichtsignal Kontakt zu Robert, der neben uns ankert.

Race gegen Robert

Es gibt noch ein ordentliches Rennen gegen Robert. Bei 7-14 kn starten wir in Formentera, kreuzen zum nächsten Kap und fahren dann zusammen nach Ibiza. Der Start mit Hupe und drum und dran. Die Besatzungen der Boote um uns sind erstaunt, als wir eng zwischen zwei ankernden Yachten den Start fahren. Kelly und Robert beide sehr sehr aufgeregt. Die Crew gibt alles. Wir sind doch ein bisschen langsamer als Robert aber halten uns gut. Dennoch, die Swan fährt gut am Wind, geht auch schon bei wenig Wind gut los. Wir laufen deutlich höher am Wind, können aber Roberts Speed nicht mithalten. Insgesamt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das die volle Kraft und Konzentration der Athleten fordert.

23. September Ibiza

Heidi fährt zurück nach Mallorca. Kelly und ich streifen durch die Stadt. Party pur, schicke Tänzerinnen traben durch die Bars... Wir verlieren Robert an das Nachtleben von Ibiza.

24. September nach Mallorca

Morgens 11:00 Start nach Mallorca, 70 nm. Wind 20 kn, in Böen bis 30. Raumschots und Vorwind. Neuer Geschwindigkeitsrekord (diesmal von Kelly): 20 Knoten. Nachts ca. 23:00 Ankunft in El Arenal Schinkenstraße! Endlich zu Hause! Ah so, zum Glück dann doch noch nicht. Es wird mitten in der Nacht erstmal im Voraus kassiert. Sagt doch einfach, dass ihr euch freut, dass wir da sind. Bis 26. September bleiben wir in Mallorca. Wir düsen durch die schroffen Berge, im Abendlicht, tolle gewundene Straßen. Phantastische Ausblicke, unten das Meer wild. Bloss weg vom Schinken.

27. September Solveig kommt an Bord und nach Cabrera

Mittags kommt Solveig aus München an. Leider regnet es erstmal ganz blöd. Wir legen nachmittags ab Richtung Isla Cabrera. Erst wenig Wind, dann doch schräg und schön, der Regen verzieht sich. Kelly fängt drei Fische!! Ich erledige der Rest. Und werde allmählich zum Fisch-Serienmörder. Abends liegt die Insel vor uns mit der kleinen geschützten Bucht und einer Burg, die sich wild und majestätisch erhebt und an Shakespeare oder Piraten denken lässt. Es gibt leckere Spaghetti mit Fischfilets, Salat. Die Nacht schön. Dann pfeifen von den Felsen die Böen, Frau Pfeffer schaukelt und dreht sich und rasselt und klappert, mit Schwung gegen die Boje, ich denke nachts schon, wir sind auf einen Eisberg aufgelaufen.

28. September Cabrera nach Andratx

Wir wechseln erstmal umsichtig auf die kleine Fock. Bei 20 bis 30 kn Wind los, durch den Ausgang der Bucht zwischen den hohen Felsen, der Wind dreht hier und die Böen sausen uns um die Ohren. Kleine Fock und zweites Reff sind angebracht. Es sieht schön aus draußen, wilde Wolken und wildes Meer. Nass und wellig gehts nach Andratx, aber schön und sicher. Es wird wieder ein neuer Rekord erreicht: 21 Knoten Welle runter, das ist ja wie auf der Wiesn! Wir sehen viele Charteryachten, die heute Abend fünf Uhr zu ihrem Übergabetermin reisen, Servietten hoch, Motor volle Kraft und durch, das sieht nicht schön aus.

29. September Andratx nach Palma

Bei schönem Wind, diesmal passend aus West, nach Palma. Im Real Club Nautico de Palma in Roberts Club festgemacht. Abends sehr gut und sehr fein im Club gespiesen, zusammen mit Heidi, die vorbeikommt und Jule, die Robert mitgebracht hat.

30. September in Palma: Rad geklaut!

Uns wird ein Klapprad geklaut, wir trauern alle sehr. Es war ein sehr gutes und tüchtiges Rad und wir erinnern uns, wo wir mit dem Rad schon überall waren. In der Bretagne durch Sumpf und über Stock und Stein geholpert, es hat alles tapfer mitgemacht. Wir packen also am Ende des Tages nur noch den einsamen Kumpanen in die Backskiste, die plötzlich sehr leer aussieht.

1.Oktober von Palma nach Cala Pi

Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns für die Cala Pi als unser nächstes Ziel. Nach 22 Seemeilen sind wir da, eine enge Bucht, hinten ein kleiner Sandstrand, wunderbar Türkises Wasser. Ein Weg geht an den Felsklippen entlang zur nächsten Bucht. Pinien, raue Steine, es duftet nach Wald und Kräutern. Abends im Sonnenuntergang an einem alten Wachturm, Aussicht aufs Meer und einen Apero, wunderbar. Dann auf dem Schiff mal wieder köstliche Tomatenspaghetti. Draußen ist es schön, die Bewohner an Land beobachten die Yachten in der engen felsigen Bucht, das ist wohl wie Fernschauen. Ein Nachbar an Land leuchtet uns fies mit einem Licht an, na dann mal zurückgeleuchtet mit dem Suchscheinwerfer. Danach kehrt wieder Dunkelheit und Frieden ein. Der Mond geht auf, hier verzichten wir auf die Aktion mit der Lampe. Am nächsten Morgen Kopfsprung ins Wasser, dann kommt auch die Sonne über die Felsen. Die Cala Pi bekommt jedenfalls drei Sterne.

2. Oktober Cala Pi nach Cala Marsal

Wir fahren ein Stück weiter mit dem leichten Südwestwind Richtung Porto Colom und ankern eine Bucht vorher in der Cala Marsal. Hier sind wir am Baggersee gelandet, um uns Tretboote und Schnorchler. Dann kommt ein junger Mallorkiener mit Dame, beide sehr stilvoll, in altem schickem Fischerboot. Sie wirft den Anker elegant über Bord, schwupp, den dämlichen deutschen Schnorchler auf den Kopf... Äh, also die Phantasie.

Nachrichten vom Bordaffen

Der Affe an Bord fährt immer noch mit, wir finden weiterhin klare Hinweise auf seine Existenz. Fussel, verräumte Handys und Sonnenbrillen, und er hat nachts heimlich unsere Campariflasche leergetrunken! Wir überlegen schon, ihm eine Falle zu stellen. Wir tun so, als würden wir das Schiff verlassen und kommen heimlich zurück und verbergen uns im Schrank und in den Backskisten und beobachten ihn, wenn er aus seinem Versteck kommt.

4. Oktober nach Menorca Ciutadella

Morgens früh los, fahren wir den ganzen Tag bei leichtem Ostwind. Mallorca wird immer kleiner und Menorca größer, lange sehen wir beide Inseln wie Piratenparadiese im Meer liegen, bergig und wild Mallorca, flacher grün und blau vor uns Menorca.

Ciutadella 4. bis 5. Oktober dann Fornells bis 7.10.

Über eine enge Bucht geht es bis ganz hinten in die Stadt, ein wunderschöner Hafen tut sich auf, uralte Mole an der Stadtseite. Hier bloß keine Seebeben und Flutwelle jetzt sonst alles sehr geschützt. Die Stadt gefällt uns sofort sehr, die ehemalige Hauptstadt der Insel trägt noch Größe und Stil. Ein wunderbares Café (Cafe Imperí) indem das Frühstücken an der Bar noch eine kleine Offenbarung ist. Erst Enttäuschung, das letzte Schokocroissant wird eben verteilt. Am nächsten Morgen dafür wird Kelly beim Eintreten ungefragt sofort ein Schokocroissant serviert. Die Kellner arbeiten mit Grandezza und das Zuschauen an der Bar ist eine Freude. Es kommt der bärtige Gelehrte aus der Bibliothek ebenso wie zwei junge Künstler oder die es werden wollen und schonmal sehr viel wert darauf legen, so auszusehen. Der Markt ist wunderschön mit schwarzweiß karierten Fliesen. In einer Reihe Metzger, ein quadratisches Gebäude für Fisch. Hier verkaufen die Fischer selbst, die Namen der Schiffe stehen über den Ständen. Es gibt dementsprechende Vielfalt, zum Teil von den Felsen, bunt wie aus dem Aquarium. Ich frage die Frau, von der ich ein Stück Lotte kaufe. Sie berichtet stolz, in Menorca gebe es keine Großmarkthalle, keine Fischauktion, hier verkaufen die Fischer direkt. Außerdem gibt es in Ciutadella die beste Eisdiele seit Beginn der Fahrt. Sie ist gleich neben dem schönsten Geschäft der Stadt: La Ferreria. 9:30 bis 13:30 bekommt man hier von einer ernsten Dame alle nur erdenklichen Haushaltswaren und auch Campinggas für den Herd.

Radtour über den Pferdeweg

Mittags mieten wir zweit Mountainbikes und wollen ein bisschen über die Insel fahren. Zur Punta Nati, einem Leuchtturm am Nordende, von uns nicht weit, scheint ein angenehmer Ausflug. Wir wollen ja nur zum nächsten Café, also ohne Getränke los, Rucksack stört nur. Am Leuchtturm gibt es einen blöden Streit über Fahrradsättel und Missverständnisse. Die Landschaft ist steinig, wüst und scharfkantig wie auf dem Mars. Die NASA hätte ihre reinste Freude. Auf dem Rückweg vom Turm, der Groll noch nicht ganz verflogen, geht links ein Weg ab. Camí de Cavalls, der Pferdeweg, ausgeschildert. Pferde, Räder, denke ich, fast das Gleiche, das geht schon. Wir wollen ein Stück weiter zum nächsten Ort an der Küste. Der Weg ist kein guter Weg für unsere Räder und auch nicht für uns. Die Steine, die ständig im Weg liegen sind scharf und klemmen sich immer dann in die Räder, wenn man gerade denkt, man kommt gut darüber hinweg. Im Stehen fahrend und Vorder- und Hinterrad wie ein Profimountainbiker balancierend quälen wir uns über die Felsen. Seitlich stacheliges Gestrüpp, sonst alles Mars. Unsere Kondition ist nach der ganzen Segelei auch nicht so. Und natürlich haben wir sofort Durst. Der Weg geht aber endlos so weiter und weiter und weiter. Kein Pferd macht das mit. Schließlich, am Ende unserer Kräfte, erreichen wir, kurz vor dem Verdursten, den nächsten Ort. Die Beinchen zittern. Der Kellner sagt, erst hinsetzen und die Karte lesen und bestellen sollen wir. Ich sage: gib mir das Cola her! Auf dem Rückweg prähistorische Höhlen besichtigt, dann über die Straße artig zurückgefahren. Schon wieder so ein Abenteuer.

Walli und Moni in Menorca!

Wir treffen Walli und Moni, die gerade in Menorca Urlaub machen und segeln mit ihnen nach Fornells im Norden. Dort kochen wir die Lotte und die Muscheln. Am nächsten Tag fahren wir mit den beiden in ihrem Auto über die Insel, und wir steigen auf den höchsten Berg (der so hoch nicht ist). Wir kommen trotzdem ins Schwitzen. Superschön, sie zu treffen.

Addaya 8. und 9.10.

Ein enger Fjord, gesichert durch mehrere Reihen scharfkantiger Riffe. Der Zugang ist etwas knifflig und bei Nacht unmöglich aber der Hafen dahinter supersicher, auch bei den wildesten Stürmen. Wir ankern hinter der kleinen Insel. Der Fjord geht weiter und öffnet sich ins Landesinnere zu einem ruhigen See. Bei Addaya beginnt ein weites Naturschutzgebiet, keine Häuser. Eine märchenhafte Landschaft aus rotem Sand und ausgewaschenen Felsen, die wie wilde Tiere aussehen, dazwischen ist es sehr grün. Eine stillgelegte Saline. Herrlicher Spaziergang. Mit dem Beiboot bei Sternhimmel zurück zum Boot, leuchtendes Wasser, meine Hand glitzert und blinkt im Wasser. Wir treffen Paul und Marty Rogers, Rentner aus den USA, deren J- Yacht wir schon in Mallorca gesehen haben. Die beiden touren seit Jahren in den Sommermonaten durch Europa, sie sind schon in Schottland und Norwegen gesegelt und hatten einmal einen Sturm mit 50 Knoten Wind. Marty wäre mit uns am liebsten einen ganzen Stapel an Fotoalben durchgegangen, aber sie hielt sich dann doch zurück. Wir trinken artig unsere Limo aus.

10.10. Nach Mahon

Morgens früh los, mit Motor nach Mahon. Ich bekomme eine sehr schwierige Fahrstunde rückwärts anlegen bei Seitenwind an einer Boje, das ist sehr schwierig und ich werde sehr grantig und das ist dann auch wieder sehr schwierig. In Mahon leihen wir uns Fahrräder und sausen nach Es Grau, einem hübschen Ort mit Bucht und riesigem See mit den tollsten Reihern, danach ein Stück unseren geliebt-berüchtigten Pferdeweg, wunderschön durch die Hügel, die auf dieser Seite grün sind. Abends wird der Kapitän ausgeführt, Langusten gegrillt und Cava dazu. Sehr feines Restaurant. Der Cava ist ein bisschen mau aber gleich auf vorsichtige Anmerkung gibts eine neue Flasche. Erst essen wir den Schwanz der Languste, den kann man leicht aus der Schale lösen. Danach wird es komplizierter, diese Tiere sind doch etwas rätselhaft, viele Beine und zwei riesige Fühler. Die freundliche ältere Dame, die uns bedient, sieht uns lange zu, dann greift sie höflich ein. Ihr müsst mehr mit den Händen arbeiten, das geht nicht mit Messer und Gabel, nehmt eure Hände und den Mund, das ist ein bisschen Arbeit. Sie hält, zuvor meine Erlaubnis einholend, meine Languste fest und öffnet sie an der Seite, schwupp, da geht es lecker weiter. Oh, Nachtisch Feigeneis.

11.10. Überfahrt Menorca nach Sardinien 190 Seemeilen

Start 8:00 von Mahon bei wenig Wind. Erst motort, dann ein Stück gesegelt. Dann leider wieder zu schwacher Wind. Nachts wird es bei Wolken sehr dunkel. Als ich um 1:30 übernehme ist rund um uns Wetterleuchten, die Wolkenberge sind kurz irre beleuchtet. Aus einem Wolkenloch schaut der Orion heraus. Mir ist unheimlich, mit den Gewittern, die zwar noch weit weg sind aber ich lege doch die Hasenohren an. Nach dem Aufstehen nachts koche ich mir erstmal ein kleines japanisches Tütensüppchen, das schmeckt salzig und stärkt Körper und Seele. Später geht es rasch und ohne Motor, die Sterne kommen heraus. Ein Tanker überholt links und ärgert mich etwas. Dann ist plötzlich aus den Wolken der Mond da. Planeten glitzern und funkeln.

Wal gesichtet

Kurz vor Sardinien zeigt sich neben uns plötzlich ein Wasserstrudel. Hm, kommen jetzt langsam die Fallen, denen schon Odysseus auf den Leim gegangen ist? Das Wasser sieht aus, als ob eben ein Schiff versunken wäre. Es strudelt nochmal, dann taucht plötzlich ein riesiger grauer Rücken auf, mit Flosse oben. Das Tier ist wohl etwa so gross wie unser Boot (12m). Uns bleiben die Münder offen. Der Wal ist unbeeindruckt und taucht wieder ab. Er hinterlässt erneut viel aufgewühltes Wasser. Wir sind ganz aufgeregt, dem Wal ist das egal. Er hat sich vielleicht geärgert, daß er wegen unserem Boot aus dem Halbschlaf aufgewacht ist und kurz seinen Kurs ändern musste.

Ankunft in Sardinien!

Nachmittags am 12. Oktober kommen wir in Fertilia bei Alghero in unserer Werft an. Die wirkt ein bisschen runtergekommen aber es ist alles da und der Platz ist ok. Das Städtchen Fertilia ist sehr verschlafen, hier kommen morgens lauter seltsame Gestalten angeschlurft, die im Café erstmal ein Bier trinken. Kelly hat sich am zweiten Tag schon mit allen angefreundet. Ein alter Herr wird, ordentlich frisiert und gekleidet, im Rollstuhl von einer Helferin angeschoben, er nimmt einen Espresso. Ein älterer Typ in kurzer Turnhose und Fussballtrikot, dicker Bauch, teilt sich eine große Flasche Bier mit einem in Tarnfarben gekleideten Menschen mit Handwerkerschuhen. Nach und nach kommen alle herausgekrochen, lassen sich im Café wieder in die Stühle fallen. Der Tag scheint seinen üblichen Lauf zu nehmen. Dann, plötzlich, keiner weiß, woher, radelt eine tolle Blondine vorbei, ein knappes Höschen an, Beine, die in ihrer Länge und Schönheit alles übertreffen. Ein Stöhnen geht durch die Plätze des Cafés, alle Köpfe wenden sich der Erscheinung nach. Wir stellen das Schiff ein bißchen auf den Kopf, waschen Kleider und Ölzeug, reparieren kleinere Stellen an den Segeln, bessern die Persenning aus, schauen liebevoll nach dem Motor, der uns stets beste Dienste geleistet hat.

Daten unserer Reise:

Zurückgelegte Strecke: ca. 3000 Seemeilen (5400 km) Speedrekord: 21,4 Knoten Bester Tagesdurchschnitt: 8,6 Knoten Dieselverbrauch: 332 Liter Liegeplätze: ca. 50% vor Anker, 50% an Bojen und in Häfen Länder: Deutschland, Holland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien Größter Tidenhub: 6,60 Meter, Camaret-sur-Mer, Bretagne Stärkster Strom: 6 Knoten, Chenal du Fur, Bretagne Beste Dusche: staatliche Marina in Rota, Andalusien

Abschiedsmenu Ristorante Andreini in Alghero

Venus- und Miesmuschel mit geheimnisvoller grüner Soße Carpaccio vom Merlot mit Aubergine und Fenchelsößchen Salccicha vom Thunfisch mit Radicchio und Topinambur Pasta mit Kaninchenragout Spanferkel gegrillt, ein Stückchen gegarte Haxe und Ragout von der Leber in feinem Sößchen frischer Ziegenkäse auf Yoghurteis aus Ziegenmilch mit Gurkensoße Feigenmousse mit Frischkäseeis Semifreddo von weißer Schokolade und Nuss, Pistazieneis, schwarze Schokoladensoße und sardisches Käsegebäck Kekse und Kaffee

Restarbeiten für den Winter

 

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