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6 Monatsreise durch Europa mit "Marea"



Planung


Ein schwieriger Start (Kreta – Sizilien)


Doolee´s erste Seetage (Sizilien – Sardinien)


Zwischenstopp 505er Weltmeisterschaften in Lissabon


Erste Grundberührungen (Sardinien – Menorca – Ibiza)


Bis zum Felsen von Gibraltar (Ibiza – Cartagena – Roquemar – Marbella – Gibraltar)


Der 83-jährige Hans


Zwei Begegnungen im Atlantik ( Gibraltar – Lanzarote)


Zweite Grundberührung (Lanzarote – Gran Canaria – Gomera)


Südsturm auf Hierro


Erholsame Wochen mit Fred (Gomera – La Palma)

und Dany (Gomera – Teneriffa)

 

Spirit of Yeoman


Ohne Selbststeueranlage nach Madeira


Mit Hannes und Julius nach Gibraltar


         Prison



Planung


Die Zeit war schon länger reif für eine Veränderung. Also beschliesse ich meinen Anteil an der Filmspulenproduktion zu verkaufen und bei einem Bekannten mit in eine Tiefbaufirma einzusteigen. Nach  3 Monaten Büroarbeit lässt mich mein uralter Traum vom Langzeitsegeln nicht mehr aus. Mit schlechtem Gewissen teile ich Reinhold meine Pläne von einem halben Jahr Auszeit mit und wir einigen uns freundschaftlich, aber mit Abbruch meiner Arbeit bei ihm. Ein 35-Fuß-Schiff besitze ich ja gemeinsam mit meinem Freund Hannes schon seit 4 Jahren mit Liegeplatz in der Türkei. Um die Zeit bis zum Herbst zu überbrücken, arbeite ich als Segel- und Katamaranlehrer am Gardasee. Eine Zeit mit viel Spass, aber auch vollem Einsatz. Inzwischen hat sich auch mein Freund und ehemaliger WG-Mitbewohner Doolee dazu entschlossen, mit mir mit zu segeln und den Atlantik zu überqueren. Sein Entschluss brauchte, ab meiner Anfrage am Kneipentresen, gerade mal 1 Stunde, und das als absoluter Nichtsegler (oder vielleicht gerade deswegen). Auch er kündigte nun seinen Job und will also dann in  Sizilien zusteigen.
Hannes versprach, mir das Boot  im August nach Sizilien zu segeln und das Jahr darauf das Boot mit einem Freund dann aus der Karibik zurückzusegeln. Leider konnte Hannes aber schon sein Vorhaben nach Sizilien zu kommen, wegen „widriger“ Umstände nicht realisieren und landete etwas unfreiwillig auf Kreta. Schon bei der Abreise in der Türkei waren unsere gesamten Zollpapiere verschollen, die wir bei der Marina hinterlegt hatten. Diese war aber zwischenzeitlich  verkauft worden.  Also entschloss Hannes sich nachts ohne Papiere und Zollabfertigung auszulaufen. Daher nahm ich später auch an, dass er sich deshalb auch in Kreta  nicht einklarieren konnte, was sich  aber als Irrglaube erwies.
Inzwischen war ich dann die letzte Woche vor meiner Abreise krank geworden. Durch die dauernde Feuchtigkeit bei der Arbeit am Gardasee hatte ich mir eine delikate Entzündung an der rechten Hinterbacke zugezogen, an der nun das Krankenhaus  Seefeld herumlaborierte. Nach erster Visite wollten sie mich gleich dabehalten und mit Vollnarkose operieren. Da ich aber noch eine Regatta im heimischen Club zu segeln  hatte, lasse ich sie nur mit örtlicher Betäubung an mir herumschnippseln und kann die Regatta trotzdem noch gewinnen. Aber die Entzündung wird mir noch zu schaffen machen, da sich diese schon bei der Anreise nach Kreta  zusätzlich nach unten ins Knie verlagerte  und mir eine Schleimbeutelentzündung bescherte .


Ein schwieriger Start (Kreta - Sizilien)

Wie ich schon von Hannes gehört habe, gibt es so einige Probleme an Bord. Der Impeller der Wasserpumpe ist defekt und der Krümmer vom Auspuff ist geplatzt, also läuft immer Kühlwasser bei eingeschalteten Motor ins Schiff. Bei der Zubehörwerkstatt im Ort bestelle ich den Impeller, rechne aber schon gleich mit der griechisch üblichen 2-wöchigen Verspätung. Zum Glück treibe ich einen gebrauchten Impeller auf und kann den Krümmer provisorisch abdichten. In der Annahme, dass Hannes also in Griechenland nicht einklariert hat, da er ja auch in der Türkei nicht ausklarierte, starte ich dann in einer Nacht- und Nebelaktion um Mitternacht von Retimnon aus. Leider gibt der gebrauchte Impeller nach 1 Stunde den Geist auf. In Anbetracht der vor mir liegenden Strecke bis Sizilien kehre ich um und laufe unter Segel, bei wenig Wind, nach zwei weiteren Stunden wieder in den Hafen ein. Beim Anlegen hilft natürlich keiner der zusehenden „Mittelmeersegler“.
Retimnon - zweiterer Versuch:     Nachdem ich dann überraschend doch  schon am kommenden Tag den neuen Impeller bekam, laufe ich mittags wieder ohne Abmeldung aus. Prompt werde ich dann  um 14 Uhr von der Griechischen Marine gestellt. Per Lautsprecher werde ich aufgefordert den Motor auszuschalten, stehen zu bleiben und den Funk anzuschalten. Nach einigem hin und her werde ich sozusagen mitten auf See festgesetzt. Zum Glück hatte ich noch mein Handy und konnte Hannes auch erreichen. Er hatte sich trotz des Malheurs in der Türkei damals gleich noch Einreisepapiere für Griechenland besorgen können, die jetzt beim Hafenmeister in Retimnon liegen. Also funke ich der abziehenden Marine hinterher und erhalte das „You are free to go back to Retimnon !“ Super. Also zurück, relativ problemlos den Papierkram geklärt und Versuch    Nummer 3.   Langsam empfinde ich es schon als traurigen Witz, aber in der Hafeneinfahrt habe ich das Gefühl, dass mein Schiff abbrennt. Dunkle Schwaden ziehen aus dem Motorraum – Motor aus – ich treibe ohne Wind in der Durchfahrt für Frachter. Mit etwas Überwindung nehme ich die Motorverkleidung ab und entdecke zum Glück, dass nur der Außpuffschlauch vom defekten Krümmer gerutscht ist. Also den Schlauch wieder dran gemurckst und es bleibt die Hoffnung, dass Hannes die fehlenden Teile mit Doolee nach Sizilien schicken wird.
Endlich starte ich endgültig zum dritten  Mal und laufe unter Motor bis 21 Uhr. Doch dann frischt der Wind, natürlich aus der Gegenrichtung West, kräftig auf. Segel rauf, Reff rein, wenden, Reff wieder raus, navigieren mit Untiefen... Um 24 Uhr Windstärke 7 von vorne. Die Wellen erwischen das seitlich festgelaschte Banana-Beiboot und reißen zwei Spanngurte durch. Ade Beiboot ! Habe 4 Stunden ohne Wende vor mir, was ich für zweimal eine Stunde Schlaf nützen wollte. Diesen Rhythmus wollte ich dann auch später beibehalten, denn eine halbe Stunde kann man ja vorausschauen, die zweite halbe Stunde segelt man dann eben „Kamikaze“ und stellt das Toplicht an, das ich sonst aus Energiespargründen immer ausschalte. Als ich gegen 3 Uhr aufstehen will, bricht die Halterung an der Selbststeueranlage. Inzwischen ist es stockduster, der Mond ist untergegangen. Ich verschiebe die Reparatur auf morgens im Hellen. Das Boot ist bei viel Wind und überpowert gesegelt recht kursstabil und hält auch ohne mein Zutun gut Kurs. Doch als der Wind nachlässt, segelt es sofort ein paar unfreiwillige Wenden – jetzt muss ich eben selbst ans Ruder. Morgens, nachdem ich die Aufhängung für die Selbststeueranlage repariert habe, stelle ich fest, dass diese großen Wellen sowieso nicht gewachsen ist und sich öfters am Endanschlag verhängt. Nicht gerade perfekt für einen Alleinsegler. In den Morgenstunden habe ich dann  vor Erschöpfung schon alles doppelt gesehen.  Auf Dauer hält man solche Strapazen natürlich nicht aus. Gegen Vormittag passiere ich die Insel Antikithyra in Lee und muss bald mangels Wind den Motor anstellen. Nach einer Stunde stirbt dieser aber ohne weitere Begründung ab, wahrscheinlich die Dieselzufuhr, doch auch die Entlüftungspumpe funktioniert plötzlich nicht mehr, um die Leitungen zu entlüften. Langsam bekomme ich Zweifel an meiner Tour. Von der Technik am Schiff ist wirklich nicht viel übriggeblieben. Wie lange macht das mein Geldbeutel mit? Werde ich dann in der Karibik nicht restlos abgezockt, wenn ich das Schiff dort liegen lassen muss? Brauche auf alle Fälle schon teure Ersatzteile, wie Krümmer, Auspuff, Schlauchboot und ........ was ist überhaupt mit dem Motor? Hält der noch durch?
Und die Gesundheit: Das Bein lässt sich nicht mehr abbiegen und ständig kommt eine undefinierbare Flüssigkeit aus meinem Knie. Am Unterarm habe ich großflächig und durchgehend Allergie – wahrscheinlich Sonne. Stimmung 5. Ich weiß, dass ich mich mal wieder auf ein paar positive Aspekte meiner Reise konzentrieren sollte, aber die lassen noch auf sich warten. Nach weiteren 24 Stunden unter Segel bricht dann der Wind komplett zusammen und das Großsegel schlägt wie wild in der Dünung. Wie lange hält eigentlich die Energieversorgung für Licht, GPS und die wieder reparierte Selbststeueranlage ohne Motor?  Fieberhaft versuche ich den Motor anders zu entlüften. Nach 10 Stunden basteln in der Dünung kommt mir die zündende Idee, ich blase mit einem Schlauch den Tank auf und drehe von Hand den Motor und öffne die Entlüftungsschrauben. Die Methode funktioniert – der Motor läuft wieder. Hatte, nachdem ich die letzten 24 Stunden deutlich mehr nach Tunesien als nach Sizilien getrieben war, schon die Wasserflaschen gezählt.
So... Dany´s Hardcoresound in die Anlage und in der Hausdisco abgetanzt, Kühlschrank an für kaltes Bier, Nudeln mit Gorgonzola. Wie schon so ein kleines Erfolgserlebnis positiv aufs Gemüt schlägt – jetzt Stimmung 2.
Abends rollt dann eine lange Dünung seitlich unter mir durch, obwohl der Wind immer noch von vorne kommt. Vollmond. Ich versuche etwas vorzuschlafen, falls da etwas aufzieht. Der Motor läuft zum Glück immer noch.
Ein wunderschöner Morgen, die Nacht blieb ruhig. Irgend ein Riesenfisch hat die Stahlhaken von meinem Blinker weggebissen, normalerweise reißt doch die Schnur.
Südwest 5. Habe die Pinne wieder festgebunden und steuere nun nur mit den Segeln unter Vollzeug. Das Schiff segelt alleine mit 5-6 Knoten am Wind, wenn ich selbst steuere mache ich 6-7 Knoten, bin aber zu faul und k.o.. Liege lieber im Großsegel und lese, bei Südwest scheint dann die Sonne immer genau auf den Bauch und ins Segel.
Schon wieder der Monsterfisch: Jetzt hat er meinen stärksten Stahlvorläufer samt Blinker einfach weggekaut.
Meine Laune heute eine wirklich gute – erst mal einen Greek Coffee (und einen Schwarzwälder Kirschkuchen...) Trotzdem bleiben Bedenken, ob ich mich in Sachen Fahrzeit und Finanzkraft nicht verschätzt habe. Als Ersatzroute kommt mir in den Kopf: Mallorca – Gibraltar – Tarifa – Kanaren und zurück nach Mallorca. Mal sehen, wie sich das mit Doolee später entwickelt.
Meine Allergie nimmt ungeahnte Ausmaße an, aber wenigstens mein Bein kann ich jetzt mal ruhig halten.
Nach 5 Tagen wieder Schiffsverkehr und Gewitterfronten im Anmarsch. Ich stehe 80 Seemeilen vor der Straße von Messina. Bei jeder Gelegenheit esse ich soviel ich nur kann, um die Energiereserven wieder aufzufüllen.
Die Gewitterfronten ziehen nachts rechts und links mit Blitzen an mir vorbei.  Es schaut bedrohlich aus, aber ich habe nur etwa 4 Windstärken mit starker Dünung.
Morgens dreht der Wind dann sogar das erste Mal auf Südost 5, also Wind von hinten.
Land in Sicht. Ein 15 Meter Katamaran holt mich von achtern auf, das kann ja wohl nicht sein. Sofort bricht das Rennfieber aus und ich baume die Genua starbootmäßig aus. Später setze ich sogar den Spinnacker, um den Kat halten zu können.
Nach 6 Tagen laufe ich in den Hafen von Messina ein .( Den Kat konnte ich doch noch abhängen, er versuchte bei 3 Knoten Gegenströmung in der Mitte der Straße durchzukommen, ich habe mich mehr am Rand gehalten und bin damit deutlich besser vorangekommen.)
Messina war recht nett (eine atombusige Bedienung stellte mir schon am zweiten Tag eine Maß Bier umsonst auf den Tresen, da ich ja aus Bayern käme und viel Bier trinken müsse) außer, dass mir in der einzigen Marina 80.000Lire/Nacht (40€) abgenommen wurden. Also muss ich notgedrungen nach 3 Tagen und notdürftiger Renovierung an den Nordausgang der Straße (Scilla, ein kleiner aber recht ungeschützter Fischerhafen) flüchten und dort auf Doolee warten.

Doolee's erste Seetage (Sizilien- Sardinien)

Endlich taucht Doolee in Scilla auf und hat auch die Ersatzteile dabei. Nach einem Tag basteln sind wir startklar. Doolee ist eine super Hilfe, er ist gelernter Bootsmotormechaniker. Bei Windstärke 7 gegenan und grober See wird uns die Entscheidung mit dem Auslaufen abgenommen, der Hafen wird gefährlich. Doolee verlässt mit einem Urschrei den Hafen und ist recht guter Dinge. Doch schon nach zwei Stunden wird er seekrank und gibt später nur noch „grün“ von sich. Er klebt sich ein Seekrankheitspflaster hinters Ohr und erholt sich aber erst nach 8 Stunden etwas. Inzwischen habe ich sehr viel Wasser im Schiff (30 cm hoch in der Kajüte) und kann nicht recht orten, wo es her kommt. Abwechselnd schöpfe und navigiere ich, mit Wasser bis zu den Knien, oder stehe draußen am Ruder. Das Leck kann ich nicht orten, außer dem Verdacht, dass es aus der Motorecke kommt. Das Wasser-Öl-Gemisch ist inzwischen in den Matratzen und sogar in der Besteckschublade, die in Bauchhöhe liegt. Geht das schon wieder so weiter, wie es aufgehört hat? In der Not laufen wir Vulcano an. Zum Glück hatte ich mir diese Hafenpläne noch vom Bootsnachbarn in Scilla auf Butterbrotpapier abgepaust. Tagsüber trocknen wir im Schwefelgestank das Schiff, und um 22 Uhr laufen wir wieder aus. Das Leck habe ich nur dem Umfeld der Wellendichtung zuordnen können. Aber wir konnten eine elektrische Bilgenpumpe an dieser Stelle einbauen. Doch es war klar, das Schiff muss an den Kran. Nach 5 Tagen kommen wir, nach einem Zwischenstopp in Ustica, in Cagliari (Sardinien) an. Eine Industriestadt mit sehr eigenem interessantem Flair.
Als das Schiff am Kran hängt, sehen wir dann endlich die Ursache für den Wassereinbruch – ein gebrochenes Stevenrohr (Durchlaß am Unterwasserschiff für Propellerwelle). Wir können ein neues Rohr einbauen.

Zwischenstopp 505er Weltmeisterschaft in Lissabon

Mein Ziel ,zur Weltmeisterschaft der 505er-Klasse in Lissabon mit dem Schiff rechtzeitig einzutrffen, ist nicht mehr einzuhalten. Also buche ich  einen Flug, um meine Teilnahme zu sichern. Mein 505er kommt, gesponsort ,im Container mit dem Frachter nach Lissabon. Obwohl, oder gerade weswegen unser „Fan-Club“ Reiner und Norbi extra aus Hamburg angereist ist, war die WM mehr von nächtlichen Escapaden, als von seglerischen Erfolgen geprägt. Doch auch meine Versuche, Heidi, unserem neuen norwegischen Anhang, nach dem zehnten Bier wenigstens eine ihrer 34 Fischfabriken abzuschwatzen, schlugen fehl. Als dann ihre nette, aber etwas ältliche Freundin zudringlich wurde, habe ich mich  um 4 Uhr nachts mit meiner dümmsten Ausrede verabschiedet: „I am a sportsman, I have to go to bed now.“
Das Ergebnis für uns: Platz 35 von 106 Teilnehmern aus 15 Nationen. Alle Wettfahrten bei Leichtwind und großem Schwell, nicht gerade unser Spezialgebiet. MeinVorschoter, Klaus Stammer, musste bei dem Schwell sogar einmal bis zum Start steuern um seinen Kater wegen der Schaukelei in den Griff zu bekommen.

Erste Grundberührung (Sardinien-Menorca-Ibiza)

Zurück in Sardinien, empfängt Doolee mich mit einem perfekt hergerichteten Boot. Alles, außer dem Anlasser, funktioniert. Aber den Motor kann man ja auch ohne Anlasser starten. Doolee behauptet, auch schon für die Überfahrt eingekauft zu haben, was dann so leider nicht ganz stimmte. Nach den ersten 3 Stunden auf See, stelle ich fest, dass wir nur Nudeln in den Schränken haben. Verhungern würden wir nicht, aber alleine bei der Vorstellung von dem eintönigen Essen der nächsten Tage, träumen wir nur noch von Bananen in Honig gebraten usw. Wir beschließen die kleine Insel Antonioco  vor Sardinien noch für einen Einkauf anzulaufen. Leider laufen wir, wie immer, nachts ein und halten uns zwischen der roten und grünen Fahrwasserbegrenzung. Doolee steuert, ich starre ins Finstere. Wir sind eindeutig immer noch zwischen den Tonnen und halten auf das beleuchtete Hafenamt zu. Plötzlich entdecke ich einen schwarzen Umriss direkt vor uns  und schon stehen wir. . Der Aufschlag war wenigstens sanft, also Sand oder so etwas, obwohl ich am nächsten Tag dort einen riesigen Felsen (natürlich unbeleuchtet) ausmache.
Doolee springt mit Zweitanker, Flossen und Luftmatratze ins Wasser und setzt den Anker ca 50m von uns weg – mit Motor war gar nichts mehr auszurichten. Wir befestigen die Ankerleine am Masttop, um das Boot schräg ziehen zu können. Das Boot bekommt Lage, aber hängt wie festgesaugt. Zweiter. Versuch: Doolee schwimmt mit allen zusammengeknoteten Leinen bis zum Land (ca.150m) und bindet die Leine an einer Laterne fest. Aber auch so kommen wir nicht frei, doch Doolee ist inzwischen in wilde Diskussionen mit der Polizei verwickelt: Schwimmen im Hafen verboten! Leine quer durch den Hafen spannen, verboten!....... Am Ende erklären sie sich bereit, uns mit Ihrem Zollkreuzer frei zu schleppen. Der Service war kostenlos, aber wir werden mangels Versicherungsschutz festgesetzt. Nach einem Tag und vielen Telefonaten kommen wir wieder frei, aber außer einem Schokocroissant in der Bar, keine neuen Vorräte. In ganzen Ort war nichts zu bekommen. Der Ausflug hat sich ja gelohnt.

Endlich mal Wind von achtern (hinten) und nicht zu wenig. Wir rauschen mit 7-8 Knoten Richtung Menorca. So macht segeln wirklich Spaß.  Und die erste Dorade hängt an unserer Angel, ca 50cm groß und super lecker. Wir schaffen unser bestes Etmal von 160 Seemeilen (d.h. 300km in 24 Stunden). Ankunft Mahon 2 Uhr nachts, nach 36 Stunden. Wir verlegen öfters unseren Liegeplatz in den nächsten Tagen, um den Gebühren von DM 50.-/Tag zu entgehen. Und wir schaffen uns ein neues Beiboot aus der Spielwarenabteilung  für 30 DM an. Es funktioniert zur Not, eignet sich aber mehr für Zirkusartisten, doch ich werde mich noch daran gewöhnen.
Eine amerikanische Weltumseglerfrau (Judy) ist plötzlich bei uns an Bord. Ihr Boot (Discovery natürlich) mit Familie liegt draußen vor Anker und ihr Aussenborder vom Beiboot ist kaputt gegangen. Also versucht sie von unserem Boot aus ihre Homestation anzufunken, während Doolee  inzwischen ihren Aussenborder wieder klar machte. Zum Dank überlässt sie uns Ihren Einkauf – leckeren Wein und Steaks. Wir werden die Discovery noch oft treffen.


Dann weiter nach Ibiza und ich sammle dort Dany ein, die mit uns 10 gemütliche Tage dort verbringen will. Wir besuchen die nahegelegene Insel Formentor und mieten uns dann später auf Ibiza ein Auto

Bis zum Felsen von Gibraltar (Ibiza – Cartagena – Roqemar – Marbella – Gibraltar)

Bei leichten Winden, wieder zu zweit mit Doolee, bis Cartagena ans spanische Festland. Schon die erste nächtliche Erkundung ist recht anstrengend. Wir kommen zwar aufrecht zu unserem Boot zurück, aber Doolee setzt sich neben den Kajüteingang und schafft es nicht mehr ins Bett. Ich wollte ihm zwar noch hineinhelfen, habe es aber dann wohl doch vergessen. Morgens finde ich ihn  immer noch in einer völlig verkrüppelten Haltung  am Niedergang , den Kopf auf der harten Einstiegskante.
Cartagena: Die Stadt erweist sich als Glücksgriff, aber nicht als das Kartago, wie wir in unserem Geschichtsunwissen erst vermutet hatten .Ein eigener, aber seltsamer Flair umgibt sie. Riesengrosse Festungsanlagen, Prunkhäuser, so aus der Zeit um 1900 und 70er Jahre- Betonbunker verfallen hier. Teilweise ist in der Altstadt jedes dritte Haus eingebrochen. Auf den Hügeln können wir sehr alte Ausgrabungen und Festungen finden. Viel zeugt hier von vergangenem Reichtum. Touristen haben  Seltenheitswert, obwohl ja nur 30km dahinter die Küste der Hotelburgen anfängt. Deswegen ist hier wohl auch alles halb so teuer, wie in Ibiza. Nachts wirken die Straßen wie ausgestorben, nur die Nutten stehen hier am Hafen rum. Wir können aber doch einige witzige Kneipen finden, die hübschen Spanierinnen sprechen aber alle kein Englisch.
Inzwischen habe ich mehr über die PAN-PAN Hilferufe, die wir am 11.10. in der Cala Sahona empfangen hatten, gehört. Ein Segler hatte wohl um 6 Uhr morgens einen Mitsegler verloren. Das PAN-PAN hörten wir am späten Nachmittag. Ich nehme an, dass der Segler ertrunken ist. Wir konnten ja leider nur das PAN-PAN verstehen, da der Sender in schnellem Spanisch weitergesprochen hat.
Hier im Hafen haben wir das Starnberger H-Boot vom SZ- Bericht getroffen. Sie wollen immer noch den Atlantik überqueren. Aber ich finde, sie sind auch noch nicht sehr weit gekommen. Auf der Herfahrt nach Cartagena ist ihnen der Mast wegen eines Terminalfehlers an der Want herunter gekommen. Unter Notrigg kamen sie dann hier an. So ein H-Boot schwimmt mit dem ganzen Proviant wirklich auffällig tief.

Meine Karibikträume habe ich mir nach reeller Zeit- und Finanzplanung abgeschminkt. Neuer Plan in etwa: Gibraltar- Kanaren- Madeira- Gibraltar- Ibiza, oder so. Bin aber eigentlich auch nicht sonderlich enttäuscht, nicht in die Karibik segeln zu können. Einige Ungereimtheiten in meiner alten Planung haben mich irgendwie schon lange belastet (z.B. ob der Verkauf der Marea in der Karibik machbar ist).
Weiterfahrt also über Roquemar (häßlich) und Marbella mit Kurs Gibraltar. Eine große Delphinflotte begleitet uns. Noch unter Spinnacker spielen  sie eine Viertelstunde um unser Boot herum. Ein Sprung zu sechst, direkt neben unserem Boot, wie im Ballet, war echt beeindruckend. Doolee beugt sich über den Bugkorb und will sie mit der Hand anlocken. Ein Delphin kommt wirklich so nahe, dass Doolee ihn an der Rückenflosse berührt – beide erschrecken und der Delphin schießt davon. Doch kurz darauf erkenne ich denselben Delphin an der Musterung schon wieder vor unserem Bug spielend. Er war also nicht ernsthaft beleidigt.
Unter Segel, mit 3 Knoten, nähern wir uns dem Ende des Mittelmeers. 1 Knoten Strömung und wurmförmige Quallen mit einer Länge von 5 Metern kündigen eine Veränderung an. An die 10 Frachter ankern vor dem hohen Felsen von Gibraltar.
Etwas bewegend ist dieser Augenblick schon, Türkei, Griechenland, Italien und Spanien hinter uns lassend. Das war ja die letzten 5 Jahre die Heimat der „Marea“.
Weit draußen starker Schiffsverkehr, am Horizont Afrika. Wir wollen diesmal vor Dunkelheit im Hafen sein.

Gibraltar, eine absolut englische Stadt. Wir feiern Party bis zum Umfallen und Morgengrauen. Anschließend besteige ich den „Upper Rock“, sehe Affen und besichtige die Caves der großen Belagerung. In einem günstigen Augenblick schlupfe ich einfach unter dem Wärterhäuschen durch. Der Ganze Hügel ist durchlöchert mit Verteidigungsanlagen.

Der 83jährige Hans in Gibraltar

Unser Anlasserproblem ist endlich gelöst: Hans, ein 83jähriger Deutscher mit seiner Trudi lebt hier. Er hat ein altes Torpedoboot von der britischen Marine vor 10 Jahren gekauft (schon sein zweites, das alte 30 Meter, jetzt ein 20 Meter Holzboot). Das richtet er jetzt neu her. Nebenbei ist er Sammler von Allem: Filmprojektore fürs Kino, Motoren aller Art, Anlasser, Spielzeug...- jedenfalls konnte er meinen Anlasser auskochen und aus einem seiner alten und meinem einen funktionsfähigen bauen. Als ich diesen dann  abholen wollte, lädt er mich zum Frühstück ein und erzählt mir...,aber erst mal seine Vorkriegsstory, die ich im Hafen aufgeschnappt habe: Er hat den Nazis Autos gestohlen und damit Juden außer Landes gebracht. Als Dank haben ihm die Nazis beide Arme gebrochen und ihn 5 Jahre im KZ behalten. Als die Altnazis in Deutschland wieder wichtige Posten besetzten, wanderte er nach Spanien aus. Die erste Zeit hat er als Schmuggler, immer mit einem Ami-Cabrioschlitten Autoteile nach Spanien gebracht. Später hat er dann so viele Autoteile nach Spanien geliefert, dass er sich sein italienisches Torpedoboot kaufen konnte.
Neben seinem jetzigen Boot, an dem er jeden Tag so lange es hell ist, arbeitet, richtet er noch einen Cadillac Cabrio- Oldtimer für sich her und repariert nachts alle möglichen Teile für seine Bootsnachbarn. Sein Torpedoboot will er dann verkaufen, wenn es restauriert ist und dann mit seinen 83 Jahren nach Amerika auswandern und dort ein neues Leben beginnen. Seine deutlich jüngere Frau ist davon allerdings nicht so begeistert.
               Hans erfand auch einen Funkenverlängerer für seinen Cadillac, um mit ihm Petrolium tanken zu können. Das war zu der Zeit recht billig, da jeder in Spanien damit kochte. So konnte er dann auch diese Idee am Schwarzmarkt vermarkten.
Ein absoluter Charaktertyp – auf alle Fälle funktioniert jetzt unser Anlasser.


Zwei Begegnungen im Atlantik (Gibraltar – Lanzarote)

Im Hafen haben wir noch Gesellschaft von Till bekommen. Ein 19 –jähriger Deutscher, der nach dem Abitur sein Abenteuer sucht und hier irgendwo auf ein Segelboot zusteigen will. Nach langem Überlegen entscheide ich mich gegen ihn, ich möchte nicht zwei Anfänger an Bord haben. Aber er kann 3 Tage bei uns wohnen, bis er einen „Lift“ gefunden hat. Er quartiert sich bei einem  Richtung Kanaren segelnden Berliner ein. Später mailt er mir aber von ihrem Ruderbruch im Sturm und einem notgedrungenen Anlanden in Marokko, wo dann die gesamte Mannschaft im Streit mit dem Skipper das Schiff verlässt.
Eine sehr nervöse Stimmung ist hier im Hafen. Alle wollen weg, aber keiner traut sich bei Vorhersage Ost 7-8. Irgendwann entschließen sich zwei große englische Yachten und werden mit großer Zeremonie verabschiedet. Aber schon nach 24 Stunden sind beide wieder zurück. Jetzt ist die Stimmung noch nervöser.
Ich entschließe mich zum Auslaufen, trotz gleichbleibender Vorhersage, da ich nicht das Risiko eingehen möchte, dass der Wind später noch auf West umschlägt und uns entgegenkommt. Wir laufen um 5.30 Uhr ,3 Stunden vor ablaufender Tide, gemeinsam mit dem amerikanischen Zweimaster „Discovery“, den wir auch schon seit Menorca kennen, aus. Aber dieses schnelle Schiff zieht uns bald mit 10-12 Knoten davon. Der Wind steht, wie vorausgesagt, in der westlichen Straße Levante mit 7-8. Aber die Welle ist sehr ruppig, Doolee wird seekrank und irgendwann bricht der Großbaum beim Abbremsen in einem Wellental  an. Wir können jedoch weitersegeln. Nach 12 Stunden wird es schon gemütlicher.Im Nachhinein gesehen war die Entscheidung richtig. Alle Schiffe, die nach uns ausliefen, hatten große Probleme. Philipp, der H-Boot Segler kenterte und musste in der Not auch an der marokkanischen Küste ankern. Ein schwedischer Segler verlor in der gleichen Nacht im Sturm seine Frau. 
Kurz vor Sonnenuntergang holen wir Fred mit seinem Boot „Sarah“ ein. Er ist kurz vor uns in Gibraltar gestartet. Auch ihn kennen wir schon von Cartagena (Südspanien). Er schießt ein paar Fotos von uns und übergibt uns bei zwei Meter Welle eisgekühltes Bier für den „Sundowner“.
Doolee ist wieder ganz fit mit einem Pflaster gegen Seekrankheit.
Afrika ist nun außer Sichtweite , aber auf dem Funk ist nur marokkanisch zu hören. Am 1.11. haben wir um 20 Uhr Casablanca querab im Abstand von 30 Seemeilen.
Am nächsten Tag schläft der Wind ein und der Motor beginnt nach kurzer Zeit zu spotzen. Irgendwie hat er Unmengen von Öl verbraucht, so dass wir demnächst ohne dastehen.
Wie bestellt, kommt uns bald ein Öltanker auf Kollisionskurs entgegen.. Wir fragen ihn über Funk, ob er uns 5 Liter Öl hinten zum Heck ins Wasser schmeißt. Er stimmt nach einigen Missverständnissen zu, aber bis er sich organisiert hat, ist er schon wieder zu weit weg. Ein anderer Segler ( außer Sichtweite ) mischt sich in unser Funkgespräch.: A very cool action, really a very cool action, Marea. Er könne unseren Spinnacker von weitem erkennen und fährt selbst unter Motor. In ca. 3 Stunden konnte er uns einholen und uns die gewünschten 5 Liter Öl übergeben.

Wir stellen fest, dass wir in der „rough sea“ in der westlichen Straße von Gibraltar einen Riss im Großbaum abbekommen haben. Hoffentlich hält er noch die restlichen 350 Seemeilen bis Lanzarote.

Immerhin segeln wir16 Stunden mit Spinnacker bis 3 Uhr nachts. Doch dann kippt das Wetter, der Wind dreht, wird lau und wir müssen den Spi einholen. Während wir tagsüber dahindümpeln, verirrt sich hier mitten im Atlantik ein kleiner Vogel in unsere Kajüte. Als Doolee nach ihm schaut, flüchtet er ganz nach vorne in Doolee´s Kabine. Er kann ihn dort aber mit der Hand fangen und befreien.

Der Wind, immer noch aus Süd-West (d.h. kreuzen bei noch verbleibenden 156 Seemeilen) frischt plötzlich auf 7-8 Beaufort auf. Wir wechseln die Genua gleich gegen die ganz kleine Fock. Unter solchen Bedingungen (Welle/ Schräglage) kommen die 35 qm schon etwas chaotisch ins Boot und lassen sich dann kaum in der Backkiste verstauen. Doch mit einer halb weggerollten Genua würden wir halt gar nicht voran kommen.

Eine Riesenschildkröte schwimmt an uns vorbei – was macht die eigentlich hier so weit draußen. Die Schildkröte sieht wie besoffen oder seekrank drein und schaukelt total planlos in den Wellen.

6.Tag: Über Funk höre ich den Funkspruch „Marea“, „Marea“, „Marea“ for „ Sarah“, please come. Das war wieder Fred, unser Bierlieferant vom ersten Atlantiktag, ein Amerikaner. Er ist nur noch 15 Sm vor uns und wir werden ihn in Lanzarote treffen.

                               Doolee hat sich entschieden, auf Lanzarote auszusteigen und wahrscheinlich mit Fred oder einem andrerem in die Karibik zu segeln. Ich plane weiterhin die Kanaren zu erkunden und über Madeira nach Gibraltar zurückzusegeln. Aber auch Afrika (ein Abstecher) ist aus meinem Kopf noch nicht ganz raus.

Am siebten Tag kommen wir unter Motor mit dem Inhalt des Reservekanisters um 9 Uhr morgens in Lanzarote an.

Doolee ruft seinen Bruder an, um sich abholen zu lassen. Wir bringen das Schiff nach 81/2 Wochen Gebrauch zusammen in Ordnung. Doolee war ein angenehmer Mitsegler. Seine technische Unterstützung war viel wert.

Irgendwie freue ich mich jetzt aber auch wieder alleine zu sein und möchte möglichst feste Termine mit Dritten vermeiden, um nicht in erneuten Termindruck zu kommen.

Wir gehen auf ein Abschiedsessen im Hafen mit Doolees Bruder und Freunden. Doolee lädt ein und verspricht morgen noch zu helfen, den reparierten Großbaum und Segel zu montieren.

Lanzarote – Gran Canaria – Gomera - und schon wieder eine Grundberührung

9.11.02 Ich laufe aus Richtung Graciosa, eine kleine Insel im Norden Lanzarotes. Leider dreht der Wind aber so stark gegen mich, dass ich es vorziehe in eine Bucht bei Arrecife (Hauptstadt) zu segeln. In der Bucht entdecke ich schon von weitem wieder die „Discovery“. Das Einlaufen gestaltet sich aber schwierig. Mike von der Discovery warnt mich, einen Anker zu legen, denn es wimmelt von Moorings (fest angelegteAnker) in der Bucht, die aber alle belegt sind. Freundlicherweise bittet mich ein Österreicher (Ed) längsseits zu sich.. Ich schalte die Selbststeueranlage und Standgas vorwärts ein und versuche das Boot (Fender etc.) möglichst schnell zu klarieren. Kurz hatte ich kein Auge für das Echolot, und schon sitze ich auf einem Haufen runder Steine. Mit Hilfe der Genua (der Wind war ablandig, 6 Beaufort) kann ich mich wieder unsanft befreien – ich hoppel bestimmt über 20 Meter  auf diesem Felshaufen herum, jedes Mal, wenn ich zwei Meter frei komme, beginnt der nächste Haufen.  Mike war inzwischen bei mir am Schiff und half mir dann längsseits gehen bei Ed. Widerwillig sprang ich dann ins Wasser und tauchte mir in 4,5 m Tiefe mit dem Bootshaken eine untergegangene Mooring rauf.

Eigentlich wollte ich nur eine Nacht bleiben, aber morgen Abend ist Molenparty für alle – ich glaube, ich bleibe noch. Die Einladung kam per Funk. Jeder solle selbst eine Kleinigkeit mitbringen. Bei dem Haufen Engländern und Amis erwartete ich kulinarisch nichts besonderes. Doch es ist offensichtlich ein Unterschied, wenn so ein Ami die Welt schon fast umsegelt hat. Die 15 Boote zauberten jedenfalls  Buffettische und Menüs auf die Mole – viel Exotisches aus Asien - ich war total begeistert. Bestimmt 50 Leute finden sich ein, ein paar Franzosen, zwei Neuseeländer, ein Holländer und viele Ami und Engländer, Deutschsprachig nur Ed und ich.

Überhaupt kommen mir die Segler hier viel aufgeschlossener, interessanter und hilfsbereiter vor, als alles was ich je im Mittelmeer erlebt habe. Hier macht sich bemerkbar, dass es keine Charterboote gibt.

Nach einem Tag Bastelarbeiten starte ich mit einem Le Mans- Start unter Spinnacker Richtung Gran Canaria. 3 Halsen bis zur Durchfahrt Lanzarote -  Fuerteventura bei 4 Beaufort.  In der Durchfahrt trifft sich die Ostwindwelle mit einem Fußballfeld langem Schwell aus Nord. Es bildet sich so eine Kreuzsee, dass mein Schiff nur noch rollt und sich der Spi um das Vorstag wickelt. Zum ersten Mal werde ich leicht seekrank, schlecht als Käpt´n, Matrose und Navigator in einem. Den Spi setze ich mit zwei Spibäumen gegen das Geschlage fest und mich selbst bekomme ich mit einer Tablette gegen Seekrankheit wieder ins Lot. Nach der Durchfahrt sehe ich plötzlich ca. 1,5 SM voraus Fontänen aus dem Wasser kommen. Ein Riesenspringbrunnen – hat die Tablette doch zu gut gewirkt?   Des Rätsels Lösung: An dieser Stelle läuft der Strand von Fuerteventura weit und flach aus, weiter als ich das auf meiner Großraumkarte der Kanaren erkennen kann. Die 100 Meter lange Dünung bricht sich schon das erste Mal auf der 20 m Tiefenlinie. Das sieht wirklich beeindruckend aus. Ich drehe 20 Grad rechts ab vom Kurs und bin schnell wieder auf über 500 m Tiefe.   Hier ist die große Dünung eigentlich recht angenehm.

Nach 26 Stunden mittags Ankunft in Las Palmas.  Von weitem sehe ich schon Fred und seinen Mitsegler Gunter auf der „Sarah“. Tags darauf teilen wir uns ein Auto und erkunden den Nordwesten der Insel. Mit etwas schlechtem Gewissen lasse ich Marea  vor der inneren Hafenmole alleine vor Anker, denn der Haupthafen ist voll (von den Cruiser-Yachten des bevorstehenden ARC -Race über den Atlantik) und außerdem wie immer viel zu teuer.        Die ARC Leute sind sowieso ein recht komischer Haufen von supergeschäftigen Hobbyseglern. Sie haben wohl das Gefühl in einer „Schafherde“ von 200 Booten sicherer über den Teich zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von denen, wenn da ein Hurrican drübergeht, dem Anderen noch hilft. Aber ein interessantes Treiben: Viele Eigner über 60 Jahre und ein ganzer Schwung junger Typen, die überall Zettel aufhängen um anzuheuern.

Hatte heute die Mail von Till, dem 20jährigen Tramper von Gibraltar bekommen und gehört, dass sie 3 Tage nach mir durch Gibraltar sind und dabei fast abgesoffen wären.

Das Wetter muss wohl schon länger immer kurz nach meinem Durchkommen verrückt spielen. Auf Mallorca 9 Beaufort, 5 Meter Welle, in Roquemar (Spanien) viel Schnee. Zum Glück bin ich schon weiter, hier ist Sonne und die Leute baden noch.

Die H-Boot Leute (Phillipp, Freund von Carola Stumbaum in Herrsching und eine Freundin, die mit ihm segelt) sind auch wieder aufgetaucht. Hatten auch kurz nach uns in der Straße von Gibraltar 10 Windstärken

Er ist nett, aber redet auch ununterbrochen. In besagtem Sturm kenterten sie, so dass der Mast schräg nach unten zeigte. Sie hatten dann eine halbe Tonne Wasser im Boot, obwohl alles geschlossen war. Vorher in Südspanien fiel ihnen, wie ja schon zuvor beschrieben, der Mast um – sie konnten mit Notrigg einen Hafen anlaufen. Und ebenfalls in Südspanien haben sie auch ihn 16 Stunden in Einzel-Dunkelhaft gesperrt – einfach so, wie er glaubt, wegen seiner langen Haare. Sie haben ihn im Hafen , nach der Dusche, ohne Angabe von Gründen mitgenommen.                  Zu zweit auf dem kleinen H-Boot zu hausen ist jedenfalls schon eine Leistung.

Laufe am 15.11.um 15 Uhr aus Las Palmas aus mit Ziel Los Christianos (Teneriffa) oder gleich nach Gomera. Hohe Wellen, 6 Beaufort und eine traumhafte Segelnacht. Ich rausche mit 5-6 Knoten unter Selbststeueranlage bei klarer Sicht durch die Dunkelheit. Der Sonnenaufgang zeigt  mir als erstes den 4000m hohen Teide auf Teneriffa. Ich entschließe mich, weiter zu segeln nach Gomera und bin bestens gelaunt. Vor lauter Begeisterung nehme ich dann sogar noch den deutlich längeren Weg nach Vueltas -Gomera  gegen den Uhrzeigersinn um die Insel. Da komme ich dann an den schönen und wilden Felsen von Los Organos (Orgelpfeifen) vorbei, die nur vom Wasser einsehbar sind. Wie gehofft, habe ich es dann zum Sundowner,der sich dann bis zum nächsten Morgen hingezogen hat, in die Tambarabar geschafft. Die Insel kenne ich schon von früheren Urlauben. Zu den Hippies und Wanderern sind einige ältere Pauschaltouristen hinzugekommen. Es ist auch ein sehr deutscher Ort, aber irgendwie hat das Tal etwas.

Lerne viele Leute kennen, die sich hier teilweise auch festsetzen wollen. Mir wäre das viel zu eng hier. Werde von ein paar Mädels zum Abendessen eingeladen, aber schon nach 4 Tagen habe ich Lust zur einsamen Insel Hierro weiterzuziehen.

Südsturm auf El Hierro

Laufe morgens mit Kurs auf Porto Estaco (Hierro) aus. Nach einer einfachen Überfahrt vertäue ich mein Boot mit langen Festmachern 15 Meter von de Mole weg. Nach vorne bringe ich noch eine 30 m Leine zu einer Fischermooring aus. Bis auf einen Frachter bin ich das einzige Boot im Hafen. Per Anhalter fahre ich in die 8km entfernte Hauptstadt Valverde in den Bergen. Alles sehr einsam hier, sogar in der Hauptstadt. Außer ein paar Einheimische nur zwei Touristen. Um Mitternacht fahre ich zum Boot zurück. Ein Schwell aus Süd (Hafen ist wie fast alle hier nach Süd offen) lässt das Boot schon unangenehm an den Festmachern zerren. Schlafe bis um 2 Uhr. Der Wellengang ist nun so heftig, dass das Heck der Marea komplett eintaucht und das Cockpit schon voll Wasser ist, obwohl sie mit dem Bug gegen die Wellen steht. Ein Gewittersturm war aufgezogen, überall blitzt es, starker Regen – ich muss aus dieser Mausefalle raus. Die Festmacher wirft mir ein Fischer zu, die lange Leine zur Mooring muss ich mit dem Messer kappen. Die Nacht ist auch noch mondlos, also fast im Blindflug und nur nach Kompass aus der Bucht raus. Auch draußen grobe See. Mit einer in Handtuchgröße ausgerollten Genua laufe ich mit 6,5 Knoten vor dem Wind ab. Der Wind treibt mich wieder ungefähr Richtung Gomera. Die Schotten mache ich komplett dicht. Ich halte etwas südlicher als Gomera, um am Morgen Reservehöhe und Zeit zum Nachdenken zu haben. Leider dreht der Südwind im Laufe der Nacht nach Nord – vor Wut muss ich  jetzt laut  rumschreien – die ganze Höhe verschenkt. Zum Glück kommt es im Morgengrauen doch wieder aus Süd. Alles in allem war die Situation in der Nacht zu keinem Zeitpunkt gefährlich, aber anstrengend. Halte wieder nach Vueltas, Fred möchte mich sowieso mit seinem Boot am Freitag besuchen. Kurz vor Vueltas Wale von etwa 6 Meter Länge. Stehe so 4 SM vor Vueltas, als durch das Valle Gran Rey das nächste Gewitter auf mich zurast. Im dritten Reff, ohne Genua, schiebe ich 10 Minuten extreme Lage. Der Regen waagrecht, Sicht null, dann lässt der Wind schon wieder nach. Regen so viel, dass sich der im Cockpit stehende Eimer in 15 Minuten halb füllt. Blitze überall und so nah wie ich es noch nie erlebt hatte. Bedrohlich angsteinflössend. Nach GPS noch 1,5 Seemeilen bis Vueltas und immer noch nichts zu sehen. Eine halbe SM vorher reißt der Himmel auf und ich stehe wirklich vor dem Hafen. Ich gehe längsseit an die Mole und verhole mich seitlich mit meinem Anker und einer Fischermooring 10 Meter von der Mauer weg. Gut so, denn als ich von einem Strandspaziergang zurückkomme, gibt der alte NO-Passat wieder Gas in Sturmstärke. Windstärke 8-10 für die nächsten 12 Stunden. Marea zerrt an den Leinen, aber alles hält. Habe alle Festmacher an den Scheuerstellen an der Mauer mit Schläuchen oder Ketten verstärkt. Als ich die Luke für 5 Minuten offen stehen habe, sieht es danach innen wie in einem Sandkasten aus. Auch das Deck ist schwarz. Abends dann Besuch auf meinem Boot, alles knirscht noch vor Sand.

Morgens merke ich, dass Marea den massiven Eisenpoller von der Betonpier gerissen hat. Meine zwei Achterleinen waren zum Glück eine rechts und eine links um eine massive Metallleiter zum Poller gelegt, in der sie sich dann verfangen haben. Die Leiter hat dann gehalten – etwas Glück gehört hier schon dazu.

Nach einer langen Wanderung sitze ich  am nächsten Tag in einer Pinte oben im Tal und lausche dem TV. Andauernd Übertragungen von den Unwettern. Tote, Autos ins Meer gespült, Kneipen bis zur Decke unter Wasser, Stromausfall, La Palma hat es am schlimmsten erwischt. Da bin ich ja noch gut davon gekommen.

Meine Wanderung war traumhaft. Es ist hier wirklich die schönste Landschaft, die ich mir vorstellen kann, Palmen, Seiten Schluchten, Kakteen...

 
 
 
 

Erholsame Wochen mit Fred (Gomera – La Palma) und Dany (Gomera – Teneriffa)

War heute im Fitnessstudio und habe mich auf die Wage + Körperfettwage (noch nie gehört) gestellt. Sie zeigt so an, wie ich mich auch fühle. Körperfett 11 ist wohl kurz vor ungesund. Obwohl ich wirklich bei jeder Gelegenheit esse, verbraucht das Alleinesegeln und die damit verbundene Anspannung so viel Energie, dass ich dauernd abnehme. Dabei hänge ich mir doch sogar statt Sportlernahrung immer eine fette Salami in den Kajütabgang, in die ich dann bei jeder Gelegenheit reinbeiße.

Ich erschrecke wirklich, als ich das Datum in mein Logbuch eintrage. Lange wollte ich doch schon in La Palma sein.

Genau am letzten Tag bevor ich absegeln wollte, sitze ich auf der Mauer in Playa, als plötzlich Fred mir auf die Schulter klopft. Er kam von San Sebastian mit dem Bus (2 Stunden Tour) und nimmt meine Einladung an, bei mir zu wohnen. Inzwischen sind wir also zu dritt auf dem Boot, da ein netter Typ aus Dresden (Sven) sich mangels Appartement bei mir eingerichtet hat.

Noch gleichzeitig mit Fred´s Ankunft lernen wir Karen und Evelyn kennen. Wir werden noch eine Menge Spaß zusammen  haben – essen, tanzen, frühstücken, zum Abschluß eine Badefahrt zum Playa mit Marea.  Als wir abreisen, bin ich schon etwas traurig. Fred und ich segeln zu seinem Boot nach San Sebastian. Heute Nacht wollen wir mit seinem Boot Sarah weiter nach La Palma.

Gomera habe ich erst mal in guter Erinnerung, besonders schön war auch eine Einladung bei Nicki und Tim auf der Yacht „Spirit of Yeoman“ (Gewinner des Fastnet Race 51). Beide sind Köche und fahren zum Abendessen vom Feinsten auf. Das Schiff hat eine tolle Atmosphäre. Ich hoffe sie noch öfters zu treffen.        Und unsere Wanderungen und Fahradtouren natürlich nicht zu vergessen. Wir nutzten den Shuttle Service vom Radverleih und lassen uns auf 1000 Höhenmeter bringen. Ich freue mich über meine Fitness. Jedes Tal ein komplett anderer neuer Ausblick von schroff bis lieblich, oben Regenwald.

Marea jetzt für eine Woche zu verlassen, fällt mir schon schwer, wie soll das erst beim Verkauf werden.

 

La Palma: Nach 14 Stunden, 2 Walen, einigen Delphinen und viel motoren, kommen wir in Santa Cruz, La Palma an. Fred ist ein sehr angenehmer Reisepartner, sicher kein typischer Ami, weit gereist, viel gesegelt (in Asien als Tramper). His program is: 9 month working, 3 month sailing. Lange lebte er im Pazifik als angestellter Ingenieur auf der Insel Guam. Die letzten Jahre lebt er wieder in San Francisco und fährt sein „Programm“.

La Palma wird für uns eine Insel der Gegensätze, menschlich, wie landschaftlich. Für Yachties ist die Insel komplett unorganisiert. Keine Liegeplätze im Haupthafen, nur ratlose Gesichter bei der Frage ,wo man den hier liegen könnte. Beim Versuch nachts, noch ganz schlaftrunken, Fred`s Boot von der Steinmohle abzuhalten, gerate ich fast zwischen Schiff und Mole,  kann mich aber mit ein paar heftigen Prellungen noch aus der Affäre ziehen. Aber wandern ist nun erst mal nicht angesagt.

Christine, die ich erst kürzlich auf Gomera kennengelernt habe, besucht uns und fährt uns mit dem Auto spazieren. Wir versprechen ,sie in Ihrem Hippidorf im Westen zu besuchen und mieten uns dann gleich am nächsten Tag ein Auto. Wir betreiben „efficient sightseeing“(Fred), und klappern die wilde Kraterlandschaft der Caldera, den Fischerhafen Tazacorte, Porto Naos und schließlich Playa Nueva ab. Dort leben wohl schon seit 20 Jahren ein paar „Low Budget- Leute“ in Ihren kleinen Cassettas (Strandhütten) ohne Strom usw. Ein paar haben diese Häuschen schön hergerichtet, der Rest ist total vergammelt. Trotzdem hat der Ort eine gewisse Ausstrahlung. Wir treffen zum Sunset dann auch wieder Christine, die uns ein paar anderen Leuten vorstellt. Ihr neuer Freund seit ein paar Tagen – ein Schweizer Ethnologe. Er hat schon vor 10 Jahren einen Reiseführer über La Palma geschrieben.

Christine lädt uns zum Essen zum Chinesen ein. Ich weiß das sehr zu schätzen, sie hat bestimmt sehr wenig Geld, vier Kinder mit 38, trotzdem sehr jugendlich.

Mit am Tisch Alfredo: Maurer und Filmemacher aus der Schweiz, ein muskelstrotzender, witziger Typ. Sein Projekt,“Das Orakel von Texas“, eine Vietnam Kriegssatire, verwirklicht er hier in La Palma mit Laienschauspielern. Auch Christine musste schon einen vietnamesischen Kämpfer spielen.

Von Kind an Legastheniker, hat Alfredo schon immer das Schreiben gehasst. Früh hat er dann seine Leidenschaft fürs Filmemachen entdeckt, erst mit Super 8, inzwischen mit professionellen Kameras. Er lebt hier seit 13 Jahren im Winter in seiner Cassetta, im Sommer arbeitet er als Maurer in der Schweiz. Als Filmemacher hat er wohl schon einige Preise bekommen.

 

Als wir zum Boot zurückkommen liegt eine 40 Meter Jongert neben uns, eines der größten Segelboote, das ich je gesehen habe. Unser Boot sieht aus wie ein Beiboot und benimmt sich im übrigen auch so. „Sarah“ springt so im Hafen umher, dass wir das Gefühl haben am Oktoberfest Achterbahn zu fahren. Das wird sich für den Rest der Woche auch nicht mehr ändern. Die Jongert dagegen bewegt sich nur kaum. Am nächsten Tag werden wir von Skipper Marc und Köchin Anita aufs Schiff eingeladen. Marc, ein Neuseeländer, kennt wohl genau dieselben Kneipen, Boote und Leute in Asien, wie Fred. Sie haben sich viel zu erzählen.

Das Schiff, nahezu unglaublich, alleine die Räumlichkeiten für die Crew. Die Eignerräume alle abgedeckt, sogar die Bücher in den Regalen (ob die schon jemand je gelesen hat?). Der Eigner hat das Boot seit ein paar Monaten, war erst einmal anwesend und muss ansonsten ziemlich ekelhaft sein. Der Liftkiel funktioniert im Moment nicht mehr, also auch hier Probleme, trotz Geld. Alle sehen sowieso sehr unentspannt und gestresst drein. In dieser sterilen Atmosphäre möchte ich nicht wohnen, aber nett, dass sie uns eingeladen haben.

 

Freitags wieder zurück, unter besten Segelbedingungen, nach San Sebastian, Gomera und ich freue mich schon auf Danys Ankunft Samstag Abend.

Etwas nervös bin ich schon, wir haben uns ja wirklich lange nicht mehr gesehen. Aber als sie kommt, ist alles in Butter. Ich rechne es Ihr hoch an, mich so auszulassen für ein halbes Jahr. Andererseits wären wir vielleicht auch nicht 14 Jahre zusammen, wenn wir uns dauernd belauern würden.

Wir verbringen sehr schöne drei Wochen, „wie im Urlaub“ mit Besuch von meinem alten Filmspulengeschäftspartner und Freund Andi und seiner Frau Claudia, Reiner aus Hamburg, Nicki vom Boot (Spirit of Yeoman), Axel (Schiff Papagei), Olli (Dörtebecker), Susanne...

Die letzen Tage mit Dany verbringen wir beide alleine in Teneriffa und entdecken die schöne Masca – Schlucht.

Als Dany wieder heim fliegt, sammle ich auf dem Rückweg nach Gomera zwei Bekannte (Frieder und Kirsten) von Dany ein und nehme sie mit nach Gomera.

 Die nicht mehr funktionierende Selbststeueranlage zerlege ich und koche die Elektronik mit Süßwasser, gegen die Salzkruste, aus. Jetzt funktioniert sie erst mal wieder.

Hatte starke Migräne und habe, als es mir nach einer Migränetablette besser ging, ein paar Bier getrunken. Zum Dank musste ich mich dann die komplette Nacht übergeben. Zusätzlich kam dann wieder Sturm mit Unwetter auf und ich musste alle halbe Stunde raus, den Anker neu ziehen, die abgerissenen Festmacher wechseln.....kotzen, die komplette Nacht arbeiten. Ein Riesen Schwell – die Boote fahren im Quartett, immer 15 Meter vor und zurück und reißen in die Festmacher und Anker. Nicki hat mir die Nacht geholfen, echt ein Super Typ. In La Palma musste sogar der Flughafen wegen des Sturms gesperrt werden.

Spirit of Yeoman

Am 4.1. nehme ich die Einladung von Nikki an und hole mit ihm und seiner „Spirit of Yeoman“ ein paar Gäste in Teneriffa ab. Reiner mit neuer Frau kommt als zahlender Passagier mit in Richtung Flughafen. In Los Christianos treffen wir nach einer lahmen Überfahrt Olli und Axel mit ihren Booten. Wir verabreden ein Rennen für den nächsten Tag zurück nach Vueltas mit Gästen. Promt Windstärke 7 gegenan, so wie ich es mir gewünscht habe, die englischen Gäste warscheinlich weniger. Die Spirit besticht durch ihr weiches Einsetzen und den Durchzug durch die Wellen – wir fliegen mit viel Lage und 7-8 Knoten gegenan. Unser Boot ist eine Camper & Nicholsen, 1950 in England aus Holz auf Stahlspanten gebaut. 15 Meter Länge, 3 Meter Tiefgang mit durchgezogenem Langkiel, an die 20 Tonnen schwer.

Sie hat 1951 das berüchtigte Fastnetrace gewonnen.

Nach 3 Stunden hat uns Olli mit seiner 40 Jahre jüngeren Grand Soleil 45 ganze100 Meter abgenommen. Selten habe ich die Kreuz mit einem Hochsseboot als solchen Spass erlebt.

          In der Nacht dann vor Anker im Hafen das Horrorszenario: Ich schlafe wieder auf meinem eigenen Boot, als ich plötzlich um 5 Uhr morgens lautes rufen vom Nachtwächter im Hafen höre. Fliegendes Wasser im Hafen, eine Eiskälte. Ich schrecke auf und sehe die Spirit schon quer vertrieben vor der Kaimauer unter vollem Windseitendruck liegend. Sie hat ungefähr noch 2 Meter Platz zur Mauer, normalerweise halten wir uns am Heck, wegen des Schwells, immer mindestens 15 Meter frei. Der Anker hat zwar Zug, ist aber wohl schon die 15m geslippt. Nikki kommt 30 Sekunden nach mir aus der Kajüte seines Bootes. Ein Winddruck, dass man sich kaum auf dem Vordeck halten kann, eiskalter Regen. Ich springe in den Shortyneopren, reiße Mareas Backskisten auf und fische eine 30 Meter Leine heraus. Ein Jump ins Wasser und ich schwimme mit der Leine zu einer Fischerboje, knote sie dort an, und kann damit gerade noch rechtzeitig Nikki erreichen und an seiner gespannten Ankerkette hochklettern, um mit ihm sein Schiff von der Mauer zu befreien. Uns Beiden zittern Arme und Beine vor Kälte, Anstrengung und Schock. Mit allen Kräften können wir die Spirit neu verholen. Wir haben geschnauft, wie alte Dampflokomotiven. Nach einer Stunde und Mithilfe aller Yachties ist sie endlich wieder safe vor Anker.

Ich bin so dankbar, dass sich Marea gut benommen hat, das war neben der Spirit meine größte Sorge. Normalerweise habe ich mich immer noch an Nikkis Schiff zusätzlich festgemacht, was ich zum Glück heute unterlassen hatte. Sie hätte mich sicher mitgerissen. Wie ich später feststellte, war mein Anker in einer riesigen alten Kette verhakt und hatte deswegen so erstaunlich gehalten. Nikki steht den ganzen Tag unter Schock am Bug und stiert seine Ankerkette an – wir sagen „er meditiert sie jetzt fest“. Aber er hätte sie auch wirklich beinahe verloren und das ist sein komplettes Zuhause, sein Besitz und seine Welt.

Ohne Selbststeueranlage nach Madeira

Hannes hatte sich angesagt, um mit mir nach Madeira zu segeln. Ich will ihm nach San Sebastian entgegen segeln. Mit dabei zwei Gäste, Sonja und Mattias, zwei Nicht-Segler. Trotz meiner Vorwarnungen wegen schlechter Wettervorhersage wollen sie mit. Um 14 Uhr entschließe ich mich in einer kurzen Aufhellung nach langem Hin- und her zum Lossegeln. Doch nach kaum einer halben Stunde sehe ich schon wieder eine weiße Wand auf uns zufliegen. Die Fock 1 bekomme ich gerade noch rechtzeitig weggerollt. Mit angelegten Lifebelts  und dritten Reff liegen wir eine Zeit lang fast flach auf dem Wasser. Nach 3 Stunden, grünen Gesichtern bei den Gästen, und kaum Luvgewinn geben wir auf und laufen zurück nach Vueltas. Für eine Kreuz bei 8- 9 hätte ich dann auf jeden Fall die Sturmfock gebraucht und die bei dieser extremen Welle alleine zu wechseln, hätte wohl auch nicht funktioniert. Die beiden Gäste waren mir auch ganz dankbar, obwohl sie absolut beeindruckt waren von diesem Naturschauspiel.

Also starte ich hier den Großeinkauf für die Überfahrt mit Hannes und seinem Freund nach Madeira. Hannes muss halt doch den Bus nach Vueltas nehmen. Ich rechne beim Proviant mit bis zu 6 Tagen a 3 Leute und lasse mir alles ans Boot liefern. Ein letztes Mal checke ich noch das Internet und sehe das Mail von Hannes: Ob ich sein Mail nicht bekommen hätte??,  - er müsste wieder verschieben. Ich bin stinksauer nach mehreren Ereignissen dieser Art, spreche ihm wütend auf Anrufbeantworter und starte alleine am 7.1.02 nach Madeira. Wind immer noch aus Südost mit 4 Beaufort, doch abends dreht er natürlich auf Nordost und frischt auf 7 auf. Prompt versagt jetzt auch noch die Selbststeueranlage endgültig. Zweifel kommen, ob das alleine überhaupt zu schaffen ist, ich kann ja nicht 5 Tage durchsteuern. Für den, der sich das nicht vorstellen kann: nach 4 Stunden in der Dauerdusche und permanent am aussteuern, langt es kräftemäßig schon dick.  Da zeigt sich Marea von ihrer guten Seite: Mit Fock 1, dreifach gerefftem Groß und festgelaschter Pinne sucht sie sich selbst ihren Weg mit 6 Knoten nach Nord auf einem Anlieger Kurs. Das Seitendeck schleift durchs Wasser und viel Seewasser schwimmt schon wieder im Inneren. Durch die dauernde Lage kann es nicht in die Bilge fliesen und abgepumpt werden. Es nervt mich total, schon wieder auf durchgeweichten Matratzen schlafen zu müssen.

9.1. Der Wind hat jetzt auf Halbwind gedreht und ich habe sowieso schon Überhöhe. Deswegen muss ich nun auf raumschots abfallen, was jetzt ohne Selbststeueranlage eine Tortur ist, denn das Schiff lässt sich nicht austrimmen und ich muss permanent steuern. Zum Pinkeln oder eine Kleinigkeit essen muss ich schon mit schlagenden Segeln beidrehen. Nach 12 Stunden habe ich extreme Kopfschmerzen von der statischen Belastung durch die Pinne.

     Nach 54 Stunden komme ich bei 3 Meter Seegang natürlich mal wieder nachts an. Das auf Funchal geeichte GPS zeigt schon wieder seewärts, als ich noch 2SM vor dem Hafen bin. Ein kleines rotes Licht kann ich vor der hellen Kulisse der Stadt ausmachen, schwierig bei dem Seegang, -Volltreffer, aber der Seegang steht voll in den Haupthafen. Gestern ist hier ein Stahlschiff direkt in der Hafeneinfahrt gestrandet.  Dann im kleinen Hafen Ruhe. Ich gehe längsseits bei Franzosen. Ich bin jetzt so fertig, dass ich es kaum noch zum Essen schaffe.

Mit Hannes und Julius nach Gibraltar

Hannes und sein englischer Freund Julius sind inzwischen auf Madeira eingetroffen. Nach zwei Tagen autofahren und Inseltour starten wir am 15.1. nach Gibraltar. Madeira war ein Traum, noch schöner als La Palma oder Gomera. Die ersten 5 ½ Tage immer zwischen 3-5 gegenan. Hannes und Julius sind anfangs seekrank, fangen sich dann aber bald wieder. Es ist sehr erholsam für mich mit zwei Seglern unterwegs zu sein. (meine Schicht 4-8, 12-2, 18-20Uhr, vor der eigenen Schicht für den Vorgänger immer stand by) Den Rest des Tages wird gekocht, gelesen und gefaulenzt.

Hannes kommt mit meiner Idee klar das Boot zu verkaufen, aber traurig sind wir natürlich beide darüber.  Am 6. Tag endlich Wind von achtern. Wir können herrlich spinnackern.

Nach 7 Tagen laufen wir natürlich wieder nachts in GIB ein. Damit ist mein Wintertörn mit etwa 5000 gesegelten Seemeilen seglerisch zu Ende.

Prison

Nachdem Hannes und Julius wieder abgereist sind, nehme ich für einen Kurztrip die Fähre nach Marokko. Ich war zwar vor 16 Jahren hier schon mal mit schlechten Erfahrungen, hoffte aber, dass sich in Tanger etwas geändert hätte. Doch denkste, alles beim Alten: Vollkommen idiotische Guides drängen sich überall auf: Hey, habe gut Freund in München... Bla bla bla. Typen mit offenem Hosenstall und offenen Mündern glotzen einen blöd an. Der Geruch im besten Fall nach Urin, meist aber nach verwesenden Fleisch. Nach zwei Tagen verlasse ich fluchtartig die Stadt, obwohl ich  für eine weitere Nacht schon 10 DM  fürs Hotel bezahlt habe.

Fahre mit der Fähre nach Tariffa – die spanische Surferstadt – wunderschön.

 

29.1. Geplante Abreise: Habe im Reisebüro mein Vorhaben, meine Seenotraketen und die Gaspistole mitzunehmen, kundgetan. Nach Gegencheck seitens British Airways das O.K.

Als ich dann vor der Security stehe, gebe ich das Zeug als erstes an, bevor ich die Taschen durch das Röntgen schiebe. Noch kein Problem, aber sie wollen noch die Polizei informieren. Nach 15 Minuten Diskussion bin ich arrested und fahre im Gefängniswagen into prison. Kein Telefon, Gefängniskleidung, stundenlanges Durchsuchen meines Gepäcks und Einzelzelle ohne Fenster.

Trotz Drängen meinerseits war es nicht möglich Dany rechtzeitig zu informieren. Sie stand dann 5 Stunden sinnlos am Münchner Flughafen.

Dann endlich,nach zusätzlicher Großrazzia auf meinem Boot, komme ich gegen 17 Uhr wieder frei. Ein recht bedrückendes Gefühl in so einer Zelle. Hat meine Sympathie für Zöllner und Polizisten wieder deutlich vergrößert.

 

30.1.02 Dany empfängt mich am Münchner Flughafen

 

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